Unser Sommerurlaub 2026 stand vor der Tür und – Überraschung – es war Sommer. Wir brutzelten und kochten bei bis zu 39 Grad und daher keimte die Hoffnung auf kühlere Gefilde im Süden Englands. Direkt am Meer kann’s ja nicht so warm sein, richtig?
Richtig. Die Vorhersage für weite Teile Cornwalls lag bei 20 bis 25 Grad und damit im grünen Bereich. Doch am Anfang des Urlaubs stand London und zumindest am Anreisetag sollten es dort auch noch über 30 Grad sein. Überhaupt… am Anfang. Am Anfang ist die Anreise – und dieser Blog wäre nicht dieser Blog, wenn es darüber nicht etwas zu berichten gäbe. Oder?
Wenn Bengel reisen…
Unser Flug sollte um 10 Uhr in Frankfurt abheben, am ersten Ferientag. Manchereiner sagte am Tag vorher noch: Ferienbeginn ist ja nur in Rheinland-Pfalz und im Saarland, da ist noch nicht viel los. Dennoch hatte Eva im voraus einen „Fast Track“ gebucht, um mit einer im Voraus gebuchten Zeit durch die Sicherheitskontrolle zu gehen. Das war eine gute Idee, auch wenn es für den Tag nur noch einen Termin um 7:30 Uhr gab – gute 2 Stunden vor Abflug. Was solls!

Wir sind also schon um 5:30 Uhr los gefahren, entspannt im Gateways-Gardens Parkhaus angekommen, mit der S-Bahn zum Terminal und direkt zur Gepäckabgabe. Da das alles sehr reibungslos vonstatten ging gab es sogar ein Zeitfenster von 20 Minuten zum Zeitschriften kaufen. Der Urlaub fing super an. An der Security war in unserer „vorgebuchten“ Schlange erwartungsgemäß wenig los und so sind wir zunächst entspannt durch alle Kontrollen (England ist ja seit einiger Zeit Non-Schengen) und haben es uns dann mit Kaffee, Schokolade und Gebäck gemütlich gemacht.

Doch kurz nach diesem letzten Glücksmoment des Tages sollte es auf eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle gehen…
Es ging mit dem Boarding an Gate B20 los:
- Boarding verschoben von 9:30 Uhr auf 9:55 Uhr
- Boarding verschoben auf 10:25 Uhr
- Boarding verschoben auf 10:55 Uhr
Wir haben uns die Zeit mit weiteren Croissants, Parfüm-proben und dem absolut schrägsten „Souvenirs aus Deutschland“-Laden vertrieben.

Als wir dann gegen 10:45 Uhr wieder zum Gate kamen um zu sehen was denn los war, war niemand mehr hier. Alle weg. Gate leer. Ja sind die schon ohne uns los? Eine wirklich ausgesprochen unhöfliche Lufthansa Mitarbeiterin hat mich dann darüber informiert, dass an diesem Gate – an diesem Tag – kein Flug nach London starten würde. Wie bitte?
Sie hatte es kaum ausgesprochen, da vibrierte es in meiner Arschtasche. Eine SMS informierte mich, dass der Flug annuliert sei und wir auf einen neuen Flug umgebucht wurden: Am morgigen Sonntag sollte es via Düsseldorf nach London gehen, mit einer Ankunft am späten Nachmittag. Wollen die mich verarschen?
Fragen über Fragen. Gibt es heute noch einen anderen Flug? Buchen wir den einfach selber? Bekommen wir das Geld zurück? Was ist mit dem Hotel in London? Was ist mit dem Mietwagen, den wir eigentlich am Sonntag um 10 Uhr abholen sollten? Schaffen wir die erste Etappe noch, wenn wir erst um 16 Uhr dort sind? Und: Wo ist unser Gepäck?
Service zum Niederknien
Wir haben zunächst beschlossen, den Security Bereich wieder zu verlassen und einen Lufthansa Service-Point auf zu suchen, der nicht von 250 Leuten (die aus unserem Flieger) überrannt wurde – manche den Tränen nahe, weil sie Konzertkarten für denselben Abend hatten, die jetzt zu verfallen drohten. Auf dem Weg raus sind wir an einer ca. 200 Meter langen Schlange vorbei: Die wollten alle durch die Security zu ihren Flügen. Wenn wir da also nochmal rein müssten, dann würde das lustig.
In Halle B haben wir den Service-Point gefunden und eine Nummer gezogen: 104. Der Ausdruck enthielt auch unsere Ankunftszeit im Service-Point: 11:05 Uhr. Die Anzeige mit den derzeit aktiven Nummern verriet: Now serving #79. Angesichts der vorherigen Alternative mit gut 200 Leuten am Schalter fanden wir diese Aussichten mit nur 20 Wartenden zunächst vielversprechend..

Doch nachdem wir uns ein bisschen orientiert und einen Platz zum Warten gefunden hatten fiel mir zunächst auf: Von den hier gelisteten Schaltern 05, 07 und 10 war nur Schalter 07 besetzt und DREI der Wartenummern waren dem unbesetzten Schaler 05 zugewiesen. Was war hier los? Später wurde mir klar, dass einfach immer die nächste Nummer oben drauf gesetzt wurde, Schalter 05 war zumindest bis zu diesem Zeitpunkt wohl der produktivste. Oh wie sich das ändern sollte.
Es dauerte glatte 20 Minuten bis sich die Anzeige auch nur um eine Nummer weiter bewegte. Das konnte nicht wahr sein? Eva fand online zwischenzeitlich diverse andere Flüge nach London, sogar noch am gleichen Tag. Aber würden wir die erreichen? Käme das Gepäck mit? Würden wir auf Kosten sitzen bleiben? Langsam hatte ich genug Fragen im Hirn…
Auf meinen noch freundlichen aber bestimmten Vorschlag, doch vielleicht noch zwei Kollegen zur Unterstützung zu organisieren, schlurften etwas später tatsächlich drei weitere Kollegen (Kennt jemand Flash aus dem Film Zoomania? Einfach mal googeln!) aus ihren Löchern und fingen mäßig motiviert an, Nummern ab zu arbeiten. Verschärfend kam hinzu, dass manche, besonders hohe Ansprüche stellende, ja ich will sagen: Verwöhnte Kunden mit ihren Diskussionen streckenweise gleich 2 Mitarbeiter beschäftigten. Das ging so weit, dass ich in einem Fall, in dem die Mitarbeiter sichtlich bemüht waren, die Contenance zu bewahren, mir die Freiheit genommen habe an den Schalter zu kommen und dieser Person zu sagen: Sie beschäftigen mit ihrer Diskussion seit über 20 Minuten 2 Mitarbeiter, die deshalb niemanden mehr bedienen können, etwas derart egomanes hab ich noch nicht erlebt!
Immerhin haben wir in der Zwischenzeit
- Ein nettes Paar aus Australien kennen gelernt, das eigentlich für genau diesen Abend mit Verwandten in London verabredet waren und hofften noch irgendwie dort hin zu kommen
- Ein Paar kennen gelernt, das eigentlich auf eine Luxuskreuzfahrt (Eva hat die Reederei gegoogelt: 11.000 Euro pro Person) gebucht war, und die das Schiff nicht mehr erreichen konnten
- Wahnsinnig viele internationale Touristen getroffen, die von der passiv aggressiven Ignoranz der Mitarbeiter und der deutschen Ineffizienz geradezu schockiert und paralysiert waren. Eine junge Frau hat angesichts der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage und der verpassten Anschlussflüge sprichwörtlich Rotz und Wasser geheult.
Aber im Laufe der Zeit kamen doch noch ein-zwei neue Kollegen zur Hilfe und so geschah es, dass wir nach gut anderthalb (!) Stunden endlich an der Reihe waren. Das Kreuzfahrer Paar war kurz vor uns dran und hatte da schon eine Umbuchung auf 16 Uhr. Was waren die glücklich. Die Australier hatten die Nummer 110 und bibberten noch. Die zu diesem Zeitpunkt noch „frische“ Service-Mitarbeiterin war sichtlich guter Dinge und wir haben uns ebenfalls bemüht eine eher lockere Atmosphäre zu bewahren. Und was soll ich sagen:

Einsetzende Erholung
Nach der Freude über einen relativ baldigen Abflug fiel mit die Schlange in die Security wieder ein. Doch meine Sorge war unbegründet: DIESER Flieger ging vom Gate Z (im ersten Stock über A) und hatte seine eigene – praktisch leere – Security. Wir waren in 5 Minuten durch.
Bei uns zeigten sich erste Anzeichen von Erholung – der Hunger kam zurück. Also haben wir uns hin gesetzt, was zu Essen gekauft und das durchlebte Chaos Revue passieren lassen. Zum Nachtisch gab’s noch einen Schoko Shake und an einem der Wartebereiche wurde das Handy nach geladen. Die Suche nach alternativen Reisemöglichkeiten hatte den Akkustand deutlich dezimiert und man kann ja nie wissen.
Irgendwann haben wir beschlossen, ans Gate zu gehen, und dort zu warten. Außerdem wollte ich dort anfangen, diesen Artikel zu schreiben. Doch das ging zunächst nicht, denn wir haben alte Freunde getroffen und uns lange unterhalten: Die Australier waren auch da.
Jetzt aber?
Die Zeit verging angesichts der guten Unterhaltung relativ schnell und so saßen wir irgendwann zwischen halb vier und vier im Flieger. Geplanter Start: 16 Uhr. Um kurz nach vier dann die Durchsage: Eine Reisegruppe ist nicht erschienen und die Koffer müssen wieder raus – wir starten so schnell wie möglich.
Um 16:30 Uhr kam die nächste Info: Weil sich die Koffer der Gruppe über alle Laderäume hinweg verteilt und daher alle Container durchsucht werden mussten, hat alles länger gedauert und unser Slot war weg. Der Pilot müsse ein neues Abflugszeitfenster organisieren und aus derzeitiger Sicht würden wir noch gut eineinhalb Stunden am Gate stehen… Ach leck mich doch!
Wir haben die Zeit genutzt und uns gedanklich mit der Anreise zum Hotel beschäftigt. Eigentlich fahren wir von Heathrow immer mit der Piccadilly-Linie in die Stadt. Das würde diesmal auch gut gehen. Am Earls-Court könnten wir dann in die District Line umsteigen oder in Gloucester Road in die Circle Line. Schaut gut aus.
Nach tatsächlich nur wenig weniger als 1,5 Stunden ging es endlich los. Kleines Highlight: Der Blick von oben auf lauter kleine „Gewitterparzellen“ und eine rennende Marge Simpson.


Die letzten Meter…
Als wir endlich in London angekommen waren, haben wir noch einmal mit dem Schlimmsten gerechnet: Die Einreise durch das automatisierte Passkontrollsystem… Hier haben wir schon alles erlebt, bis hin zu hunderten von Leuten vor uns in der Schlange. Aber zu unserer großen Überraschung und völlig entgegen dem Trend des Tages: Es war keine Sau da. Wir hatten quasi einen Durchmarsch. 🙂
Im Anschluss hat sich auch meine letzte Befürchtung von weiterem Stress in Luft auf gelöst: Die Koffer waren mit an Bord. Man glaubt es kaum.
Also ab in die U-Bahn und in die Stadt. Aber: Als wir am Zugang zur Piccadilly Line ankamen wurde uns mitgeteilt: Fährt am Wochenende nicht… Och menno! Ich bin ja ein großer Freund von Instandhaltung und Modernisierung, aber wenn die damit verbundenen „downtimes“ mich treffen, dann finde ich das trotzdem scheiße. Also wurde noch mal das Handy gezückt: Die Elizabeth Line geht auch, und dann bei Ealing Broadway in die Central Line. Uff. Geschafft!
Ankommen
Das Hotel lag zum Glück nur wenige Meter hinter der U-Bahn-Station und entgegen der Erwartungen gab es sogar klimatisierte Zimmer. In London war es über die letzten Tage extrem heiß und wir hatten schon befürchtet, dass das Zimmer heiß und stickig sein könnte. No signore, au contraire! Wir hatten ein angenehm kühles Zimmer. Und so konnten wir zum ersten Mal an diesem Tag wirklich durch athmen und anfangen, uns auf den Urlaub ein zu stellen.
Da wir deutlich später als ursprünglich geplant angekommen waren, mussten ein paar Dinge auf die Tage nach der Rundreise verschoben werden, so zum Beispiel der Besuch im Victoria&Albert Museum für den obligatorischen Scone im Museumscafe. Aber Eva hatte ganz in der Nähe eine vielversprechende Pizzeria entdeckt und da gabs dann erst mal lecker Futter:


Klänge zum Ausklang
Während unseres Urlaubs in England läuft das Hyde Park Festival und einige meiner liebsten Konzert-DVDs sind hier entstanden. Zum Beispiel The Who und Paul Simon.
Ich hatte im Vorfeld gehört, dass man auch ohne Tickets in den Park gehen und von außerhalb zuhören kann. Das haben wir am ersten Abend genutzt und einen Verdauungsspaziergang durch den Hyde Park gemacht. Und was soll ich sagen: Es stimmt. Man kann von draußen hervorragend zu hören und es sind auch einige Zuhörer da, die sich rund um das Festivalgelände tummeln. Leider bleibt es aufgrund eines gut 3-4 Meter hohen Zaunes beim Hören, aber die Atmosphäre und Stimmung waren echt gut – obwohl Garth Brooks nicht direkt unseren Geschmack getroffen hat. Man kann das schon mal genießen. Und wenn das Wetter stabil bleibt, kommen wir am Ende des Urlaubs vielleicht noch einmal her, um Pitbull oder Lewis Capaldi zu zu hören 🙂
Und jetzt?
Als nächstes geht es wieder mit Sack und Pack zurück nach Heathrow, denn dort müssen wir das Mietauto abholen. Uns ist noch nicht ganz klar, ob wir das direkt am Terminal tun können, oder ob wir dafür mit Bus oder Taxi ein Stückchen fahren müssen – die Angaben sind etwas widersprüchlich. Da wir am ersten Tag aber nur ca. 2 Stunden oder 150 Kilometer unterwegs sein werden kriegen wir das bestimmt hin. Wie schlimm kann es werden?
Die kommenden Berichte aus Südengland werden sicher nicht so ausführlich, aber der erste Tag hatte es wirklich in sich…
Bloke