Nun war es schon wieder an der Zeit, das Südwestende Englands zu verlassen und damit lagen schon fast zwei Drittel unserer Rundreise hinter uns. Das Schöne an „zwei Drittel“ ist zumindest: Das letzte Drittel hat man noch vor sich!
Auf unserem Weg von Helston zur nächsten Unterkunft in Lynton, nördlich von Exmoor, standen zwei Stopps auf dem Plan: Ein Rosamunde Pilcher Drehort (der entgegen der ersten Annahme selbst heutzutage noch gerne für Dreharbeiten genutzt wird und auch bei uns ein bisschen Drama veranstaltet hat – dazu gleich mehr), und die Überreste von – der Sage nach – König Arthusens Burg: Tintagel Castle. Hier galt es, die korrekte Aussprache zu klären.
Prideaux Place
Dieses Herrenhaus ist als Drehort für zahlreiche Film- und Fernsehproduktionen bekannt geworden. Die zumindest in Deutschland bekanntesten dürften die Rosamunde Pilcher Verfilmungen sein. Fun Fact: Es scheint als ob diese Filme in England selber eher unbekannt sind, weil sie als „outdated“ gelten.
Unser Besuch begann mit zwei Überraschungen:
- Es war nicht Teil unseres National Trust Passes und musste daher extra bezahlt werden
- Die Tür war zu niedrig.
Ersteres war zwar eine kleine Überraschung, aber kein echtes Problem für uns, insbesondere nachdem wir während der Führung durch das noch bewohnte Haus erfahren haben, dass der Erbe des im letzten Jahr verstorbenen bisherigen Hausherren gerade mit Sotheby Auktionatoren durch die Gemäuer geht und prüft, was noch zu Geld zu machen ist, um die Anlage weiterhin in Schuss halten zu können.
Wie habe ich aber erfahren, dass die Türen zu niedrig sind? Schmerzhaft! Da wir pünktlich zur Öffnung für den Tag angekommen waren, war ich auch der Erste, der an der Kasse die Eintrittskarten gekauft hat. Und zu diesem frühen Zeitpunkt war eines noch nicht vorbereitet:

Und so kam es, dass ich mit lautem Rums den Schädel an den Türrahmen dengelte. Das war eher lauter als schmerzhaft, führte aber auch zu erschrockenen Nachfragen seitens des Personals. Das ging so weit, dass ich – nachdem man mich zunächst wieder hat gehen lassen – kurz vor der gebuchten Führung durchs Haus noch einen offiziellen Unfallbericht ausfüllen sollte. Ich nehme also an, dass ich nun in irgendeiner offiziellen Touristenunfallstatistik als tragischer Einzelfall auftauche…
Da das Haus noch bewohnt ist, durfte man während der Führung nicht fotografieren. Ich kann hier also nur Bilder der Außenanlagen zeigen.




In einem Gespräch nach der Haus-Führung stellte sich heraus: Die Exponate über die Dreharbeiten sind hoffnungslos veraltet (gehen nämlich nur bis ca. 2017). Auch letztes Jahr fanden hier Dreharbeiten statt und für kommendes Jahr sind weitere geplant.
Während ich mich noch mit dem Personal über den verarmten Erben und die nicht existierende Beule auf meinem Kopf unterhielt, hat Eva nebenher noch das Wild geschossen (fotografisch):

Tintagel Castle
Vom fast schon neuzeitlich anmutenden Charme des Herrenhauses ging es weiter in Richtung unserer nächsten Unterkunft. Auf dem Weg da hin kamen wir an einer deutlich älteren Ruine vorbei, die offensichtlich auch nicht so gut erhalten war. Der Sage nach und laut Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Tintagel_Castle) wird Tintagel Castle mit König Arthus (King Arthur) in Verbindung gebracht, fest steht aber zumindest, dass es in seinen Grundzügen seit dem 5. Jahrhundert existiert.
Noch nicht ganz so lange existiert der Heritage Fund, der die Anlage verwaltet und – ihr merkt es vielleicht – wir hatten den National Trust Pass. Das bedeutete: Auch hier galt es separaten Eintritt zu entrichten. Das nahm allmählich Raubritter-gleiche Züge an!
Nachdem man sich vom Ticket-Shop auf den Weg gemacht hat stellt man fest: Es geht erst einmal bergab. Das muss man in der Mitte der hochsommerlichen Hitzewelle auch alles wieder rauf. Und wenn man dann an der Brücke auf die Halbinsel angekommen ist, dann stellt man auch fest: Tintagel Castle ist eigentlich gar keine Burg. Es gleicht eher einer alten Siedlung mit Stadtmauer.
Zum Zeitpunkt unseres Eintreffens lag es noch in den Resten von etwas Frühnebel, der sich allmählich verzog. Das schaffte der Sache noch ein bisschen Mystik.







Und bevor wir diesen Tag mit der Weiterfahrt zur Unterkunft beenden möchte ich natürlich auch meinem Bildungsauftrag gerecht werden. Wie spricht man Tintagel eigentlich korrekt aus? So: /tɪnˈtædʒ.əl/
Lynton
Und damit ging es weiter nach Lynton, unserer Heimat für zwei Nächte. Entgegen unseres ersten Eindrucks bei der Ankunft gab es hier die eine oder andere nette Überraschung, soviel sei hier schon verraten.
Bloke
