Im Zeichen der Sonne

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Sonne, in zweierlei Hinsicht:

  • Stonehenge fotografieren bei Tag und am Abend
  • Der Hitze entkommen

Es stand fest, dass es heute in Salisbury bis zu 34 Grad heiß werden sollte. Rückblickend auf das letzte Jahr in Schweden haben wir ein Händchen dafür immer dann in ein Land / eine Region zu fahren, wenn die dort den Jahrhundertsommer haben. Wir waren dahingehend jedenfalls froh, bereits den allerersten Slot zur Besichtigung von Stonehenge um 9:30 Uhr gebucht zu haben.

Doch zunächst begannen wir den Tag mit Frühstück in unserem letzten B&B dieser Reise. Und wie man so sagt: Das Beste kommt zum Schluss. Hier war das Zimmer groß, sauber, das Bad ordentlich und unser Gastgeber unfassbar aufmerksam. Er hat uns bei der Anreise sogar die Koffer aufs Zimmer getragen. Und ganz im Sinne dieser Serviceorientierung gab es ein überaus üppiges Frühstück. Kleiner Ausblick: Am Abreisetag habe ich die Pancakes nicht mehr geschafft. Selbst Eva konnte mich nicht retten, sie kommentierte einen letzten Hilfsbissen mit dem Wort „Peng“. Und so sind aus Pan-Cakes hier „Peng-Cakes“ geworden.

Stonehenge

Überraschung eins: Das über den National Trust Explorer Pass gebuchte – kostenlose – Ticket war so nicht gültig, weil das Kreuzabkommen zwischen National Trust und English Heritage NUR für die britischen Ganzjahresmitglieder gilt. Nicht für uns mit „Touristenvisum“. Also haben wir noch mal schlanke 65 Euro abgedrückt. Halsabschneider.

Überraschung zwei: Selbst mit der gebuchten Führung konnte man nicht in den Steinkreis oder näher heran. Wir durften nur aus der Entfernung fotografieren. Eva ist hier vor gut 10 Jahren noch unbehelligt zwischen den Monolithen herum gelaufen. Halsabschneider!

Immerhin konnte man trotz der Besuchermassen ein/zwei gute Bilder machen. Es ist schon beeindruckend, dass die Ursprünge dieser Anordnung gut 5.000 Jahre alt sind:

Schon um 10:00 Uhr, nach Abschluss dieser Besichtigung, wurde die Hitze im Freien fast unerträglich. Da stellte sich die Frage: Was tun? Sechs Stunden in der Kathedrale sitzen und sich die Magna Carta ansehen? Oder sich von Schattenfleck zu Schattenfleck quälen?

Cheddar Gorge

Wir haben uns entschieden, in die gut 70 Kilometer entfernte Cheddar-Schlucht zu fahren. Zum Einen habe ich erwartet, dass es dort aufgrund der Lage (Schlucht, Schattig, Vegetation) kühler sein könnte, zum Anderen sollte es dort ein/zwei Höhlen geben…

Doch vor die Abkühlung hat der Herrgott das Parken gestellt. Und da sind die Briten mal wieder nicht zu toppen: In der Cheddar Schlucht gibt es gebührenpflichtige Parkplätze. Überall steht: Bitte am Parkautomaten mit Bargeld zahlen, oder per App. Ersteres scheiterte nicht nur an unserem Mangel an britischem Bargeld sondern auch an der eklatanten Abwesenheit jeglichen Parkautomatens. Zweiteres scheiterte an der Unverfügbarkeit eines Funknetzes. Wie bekloppt kann man sein?

Immerhin, nachdem wir drei/vier Kurven weiter gelaufen waren, fingen unsere Handies einen letzten Funken vorsintflutlichen „EDGE“ Netzes auf.

Nachdem das geregelt war, ging es ins Tal und es zeigte sich bereits: Meine Annahme war korrekt: Die Temperaturen lagen hier bei überwiegend angenehmen 26 Grad. Diese Tatsache hat uns irgendwie übermütig werden lassen. Ich kann mir ansonsten nicht erklären, was uns geritten hat, gleich zu Beginn unseres Besuches den oberen Rand der Schlucht über die „Jacobs Ladder“ zu erklimmen. Noch dazu war die Aussicht nach 270 Stufen eher lausig…

Wieder unten angekommen wurde Plan zwei in die Tat umgesetzt: Abkühlung in den Höhlen. Die waren zwar klein, aber tatsächlich kühl:

Und: Hier lagert der einzige Cheddar Käse, der auch in einer Cheddar-Höhle in der Cheddar-Schlucht reifen darf:

Im Anschluss stand uns der Sinn weder auf weitere Herrenhäuser noch auf weitere Städte (Bath) und daher sind wir zurück nach Salisbury, wo wir am Vortag einen schönen Park mit glasklaren, knöcheltiefen Flüssen gesehen hatten. Das versprach eine entspannte Abkühlung vor dem Abendessen.

Stonehenge – noch einmal.

Schon bei unserem Stonehenge-Besuch am Morgen habtte ich einen der Mitarbeiter gefragt, wie und wo man denn Sonnenunter- oder -aufgänge am Besten fotografieren könne. Die Idee hat mich seit dem nicht los gelassen und so habe ich Eva nach dem Abendessen im Pub doch noch überredet, diesen zusätzlichen „Ausflug“ in Angriff zu nehmen. Wir wussten schon vom Morgen, dass entlang der öffentlichen Straße mehrere Camper geparkt waren – offensichtlich mit Besuchern, die die Atmosphäre dort ohne teure Eintrittskarte genießen wollten. NICHT klar war uns, dass das ein wirklich löchriger und staubiger Feldweg war, der die Anreise erheblich verzögern würde. Und so wurde ich angesichts sinkender Sonnenstände nervös, den entscheidenden Moment doch noch zu verpassen.

Am Ende sollte sich zeigen: Den entscheidenden Moment haben ganz Andere verpasst 🙂

Es gab nämlich doch noch eine offizielle Sonnenuntergangsführung. Unsere Recherchen haben ergeben, dass die 150 Pfund pro Nase kostet. Zunächst war ich verärgert, dass diese Gruppe uns immer im Bild stand. Doch der absolute Hammer war: Sofort nachdem die Sonne hinter den Bäumen in der Ferne verschwunden war, wurden alle wieder eingesammelt und mit dem Bus abtransportiert. HALSABSCHNEIDER!!

Dann kam doch aber erst der Moment, in dem die Wolken sich rosa verfärbten. Ich hätte mich bei dieser Fake-Veranstaltung sowas von aufgeregt. Aber der Vorteil für uns war: Wir konnten die spannenderen Fotos ganz ohne störende Besucher machen …

Ganz entgegen meiner sonstigen Einstellung kam ich also gestern zu der Erkenntnis (Muss am Steinkreis liegen): Am Ende wird es doch noch irgendwie Gut.

Bloke