Ein Tag der „Extreme“

Am Samstag standen die Zeichen auf Extreme. Wir wollten heute den westlichsten Punkt des Festlandes, Lands End, besuchen. Mehrfach haben wir bisher den Hinweis bekommen, das NICHT zu tun, da es dort mittlerweile sehr voll und sehr kommerziell sein solle. Es stand aber auf meiner „Bucket List“ und ich wollte mir einen eigenen Eindruck verschaffen. Und so haben wir uns an einem wie ich fand guten Vorschlag orientiert:

Lands End

Der Weg führte uns zunächst ins benachbarte Sennen Cove. Dort gibt es einen kleinen, günstigen Hafenparkplatz, von dem direkt ein Küstenwanderweg startet. Dieser ca. 1 Meile lange „hike“ endet mehr oder weniger direkt am berühmten Lands-End Wegweiser. Dieser ist – die Briten haben scheinbar nicht mehr alle Teetassen im Schrank – kostenpflichtig. Wenn man sich selbst mit dem Schild fotografieren will, dann geht das nur gegen Zahlung von 10 Pfund. Alternativ knipst man von hinter der Absperrung das Schild ohne sich selbst. Spinner. So was sollten die sich mal an anderen „Enden der Welt“ trauen, wie z.B. Cape Reinga.

Blick vom Anfang des Hikes zurück nach Sennen Cove:

Nach unserer Rückkehr nach Sennen Cove haben wir uns dort in einem kleinen Cafe, das uns schon auf der Durchfahrt zum Parkplatz aufgefallen war, mit Kaffee, Schoki und Scone belohnt. Wunderschöne, entspannte Atmosphäre mit Blick auf den Strand – und lecker!

St Michaels Mount

Nachdem es inzwischen nach Mittag war, hatte der Meeresspiegel auf dem Weg zur Ebbe den Punkt erreicht, an dem man wieder zu Fuß zur Insel St. Michaels Mount gelangen konnte. Also fuhren wir von hier aus gen Osten. Die Insel selbst war geschlossen, aber für einen Spaziergang über den Gezeiten-Pfad hat es gereicht.

Wenn man beim Laufen auch mal nach unten schaut, sieht man die kleinen Besonderheiten, die sich nur unter Wasser abspielen können. Immerhin liegt der Weg die Hälfte der Zeit unter Wasser.

Da die Insel selbst ja geschlossen hatte – das wussten wir vorher, wir wollten ja nur da hin spazieren – haben wir uns vor dem geschlossenen Tor hin gesetzt und überlegt, wo wir als nächstes hin fahren könnten. Dabei haben wir Kerstin kennen gelernt, die alleine in einem VW-Bus durch England fährt und mittels extrem verdunkelter Scheiben die Tatsache „verhüllt“, dass sie semi-illegal auf Parkplätzen nächtigt.

The Lizard

Nachdem wir einige Tipps mit Kerstin ausgetauscht hatten, entschieden wir uns für „The Lizard“ und damit für das zweite Extrem des Tages. Nach dem westlichsten Punkt der Insel sollte nun auch noch der Südlichste folgen.

Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man einen Aussichtspunkt mit – unter anderem – einem netten, kleinen Cafe. Diese Gelegenheit haben wir genutzt um unser Mittagessen etwas verspätet nach zu holen. Anfangs waren wir mutig und haben uns auf die Terrasse gesetzt. Doch die Möven waren nicht nur sehr aufmerksam und aggressiv, sie haben auch auffällig scharf geschossen. Eine größere Ladung ist nur wenige Zentimeter entfernt aufgeschlagen und ich hätte mich sehr geärgert, hätte es mein Essen getroffen. also sind wir rein. Das Essen war wirklich lecker und preiswert. Und man hat Humor:

Frisch gestärkt haben wir den Weg ganz nach unten in Angriff genommen und dort einen sehr freundlichen Fischer / Taucher getroffen. Der machte sich gerade für seinen Tauchgang bereit und machte uns nach ein paar Minuten Unterhaltung auf seinen Freund aufmerksam:

Kleine Randnotiz: Wir haben den Urlaub bisher völlig ohne Bargeld bewältigt. Man kann wirklich ALLES und ÜBERALL mit Karte Zahlen, selbst die Spende für eine Kerze in der Kirche. Aber hier, im Nirgendwo, da hätte ich ein paar Pfund Bargeld wirklich gut gebrauchen können. Es ging nämlich sehr steil bergab zum Strand und ich hab den Taucher gefragt, ob denn das üppig motorisierte Quad seines wäre. Auf seine bejahende Antwort hin sagte ich „I would love to have one of these for the way back up…“ – Woraufhin er mit einem Grinsen sagte: „I’ll lend it to you for five pounds“. So ein Mist. Kartenzahlung ging ausgerechnet hier nicht!

Aber wir haben noch ein paar schöne Fotos gemacht.

Der krönende Abschluss

Nachdem wir von The Lizard wieder zurück zum Auto gegangen waren stellte sich die Frage: Und nun? Eine Option war, in ein Steakhaus in Helston zu gehen zu dem uns unser B&B Gastgeber geraten hatte. Die Erfahrungen mit seiner Pub-Empfehlung vom Vortag waren aber nur mittelmäßig.

ICH hingegen hatte schon vor Wochen einen kleinen Küstenort ganz in der Nähe entdeckt und mir gedacht: Wenn es sich irgendwie ergibt, dann würde ich da gerne mal vorbei fahren. Das sieht knuffig aus, mit einem kleinen Hafenbecken. Und auf Google Maps waren auch zwei/drei Restaurants entlang des Hafens vermerkt.

Also sind wir auf gut Glück nach Porthleven (und ich hab bis heute keine Ahnung wie man das korrekt ausspricht). Eigentlich hatte ich mir auf Google das Restaurant „The Ship Inn“ ausgesucht, doch bei unserem Spaziergang rund um den Hafen fiel mir relativ schnell ein kleiner Schuppen am Ende des Beckens auf. Klein, mit ein paar Holzbänken, zwei Handvoll Leute da. Und für Eva und mich stellte sich das als ein Volltreffer heraus: The Mussel Shoal

Eigentlich hatten wir bei The Lizzard schon ein frühes Abendessen aber was dieser kleine Schuppen rings um uns herum aufgefahren hat, das hat noch einmal Appetit gemacht. Also haben wir eine halbe Portion Muscheln bestellt. Und prompt hatte ich eine „Diskussion“ mit der Köchin am Hals, die meinen Zettel mit 1/2 portion Mussels kommentierte , nachdem sie ihn in die Finger bekam: „Is that you? Half a portion? Really?“ Als „Rache“ hab ich dann Ketchup dazu bestellt…

Und eine halbe Stunde später kam das Essen…

Und zum Thema Wartezeit gab es auch ein Schild…

Das waren sie, unsere Extreme für den Tag: Am Westlichsten, am Südlichsten und am Leckersten. Zumindest das letzte Extrem rief nach einer Wiederholung. Mal sehen…

Bloke