Einmal entspannt bitte

Am Donnerstag standen entspannte 90 Meilen bis nach Totnes in der Nähe von Torquay auf dem Plan. Da wir hier mit wenig Fahrt-Stress gerechnet haben wurden zwei Stopps ein geplant: Die Isle of Portland mit dem vorgelagerten Weymouth – und Exeter.

Natur

Der erste Stopp auf der Isle of Portland eröffnete den Tag mit Natur pur und wenig Trubel. Und mit unerwartet schönen Aussichten (denn ich hatte diese Insel nicht so bergig erwartet):

Doch das eigentliche Highlight kam am Südende, das Portland Bill Lighthouse:

Es sieht auf dem vorherigen Bild so schön ruhig aus, es war aber auch ein bisschen Dynamik im Gange:

Wir waren relativ früh da und so standen auf dem Parkplatz kaum eine Handvoll Autos. Dem entsprechend konnten wir eine ganze Weile lang ungestört auf einem Felsen sitzen und den Blick auf das Meer genießen. Irgendwann haben wir uns aber dazu entschlossen, auch die hiesige Gastronomie zu unterstützen und das „Aussicht Genießen“ in die Nähe des kleinen Kiosk/Cafe zu verlagern.

Auf dem Weg zurück, als wir die Isle of Portland verließen, kamen wir durch Weymouth. Eva und ich waren uns einig: Diese kleine Stadt hat die Uferpromenade, die wir in Brighton, Bournemouth und allen anderen Städten vermutet oder erhofft, aber nie gefunden haben. Sowas von süß und entspannt. Wenn wir uns mal im Ausland zur Ruhe setzen sollten, dann gegebenenfalls hier. Auch eine süße, schrullige und trotzdem ordentliche Fußgängerzone gab es:

Stadt

Von hier aus ging es weiter in Richtung neue Unterkunft. Nächster Stopp: Exeter. Auch Exeter war schöner, als zunächst angenommen. Denn eigentlich ist es eine relativ große Stadt und somit hatte ich wieder den schon bekannten Schmuddelfaktor erwartet.

Doch das Stadtzentrum bietet eine aufgeräumte und moderne Fußgängerzone, viele junge Leute auf den Straßen und eine Mischung aus bekannten Einkaufsketten und lokalen Pubs und Restaurants.

Lediglich die Kathedrale hat enttäuscht, kostet sie doch unserer Meinung nach unverschämte 12 Pfund pro Person Eintritt. Dann halt nur von außen:

So leicht wollten wir Exeter aber nicht aufgeben und sind zum Abschluss noch in das Viertel „The Quay“ gegangen. In der Mittagshitze war zwar noch nicht viel los, ich denke aber, es hat Potential für Abends:

Totnes

Unsere Unterkunft lag für diese eine Nacht im Ort Totnes, „ein wenig“ außerhalb von Torquay. Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, zum Abendessen noch einmal aus dem Hinterland hinunter an die Küste nach Torquay zu fahren. Die Anreise hat mir aber schon jedwede Lust auf diese Tortour genommen. Autoschlange an Autoschlange quälten wir uns eine gefühlte Ewigkeit über die letzten paar Meilen zur Unterkunft. Wie können sooooo viele Autos auf einer derart schmalen Straße fahren und unfallfrei aneinander vorbei passen? Es grenzte an ein Wunder. Jedenfalls stand fest: Wir fahren hier heute nicht mehr raus.

Unsere Gastgeberin hatte sowieso eine andere Empfehlung für uns parat: Geht durchs Dorf und besucht das Hotelrestaurant: Steam Packet Inn.

Nachdem wir uns ein wenig erfrischt und ausgeruht hatten, machten wir uns leicht skeptisch auf den Weg. Und jetzt seht selbst:

Das Lokal liegt direkt am Wasser, man hatte einen wirklich schönen Blick in Richtung Stadt:

Was man aber noch hatte: Jede Menge Möven. Und die Biester waren frech. Die Bedienungen haben jedes Mal, wenn sie mit Essen durch die Tür auf die Terrasse kommen wollten, die Lage sondiert und ggf. Abwehrmaßnahmen mit einer freien Hand gestartet.

Wir kamen zu fortgeschrittener Stunde zu einem zunächst zweifelhaften Vergnügen: Die örtliche Trachtentruppe begann mit einer kostenlosen Vorführung. Ich habe zunächst darauf gehofft, dass das zumindest das Mövenproblem lösen könnte. Tat es aber nicht. Und nach jedem Stück hat die Mehrheit der Gäste frenetisch applaudiert. Fast so als wollten sie sagen „We want more“. Was sollte das denn? Aber je länger man es hörte, desto besser wurde es. Oder man stumpfte ab…

Und als ob das nicht genug wäre, kam dann der Möven-Endboss:

Dazu kann ich nur sagen: Nüchtern halte ich das hier nicht aus:

Trotz all dem geläster: Wir hatten völlig unerwartet jede Menge Spaß an diesem Abend und haben Totnes als überraschenden Geheimtipp für uns entdeckt. Beim Rausgehen durch die wirklich sehr niedrige Tür fiel mir dann noch dieser freche Spruch auf:

So gesehen mussten wir nach nur einer Nacht wieder weiter. Wir hätten es auch noch einen weiteren Abend hier aus gehalten. Sogar nüchtern!

Bloke