Heute fasse ich euch den Dienstag und den Mittwoch zusammen und da sind mir im weitesten Sinne zwei Aspekte von Zeit eingefallen. Ich hoffe, für Euch ist das nicht zu weit her geholt.
Zeit drückt!
Am Dienstag standen die Zeichen auf „Kilometerfressen“. Wir mussten von Maidstone, unserer ersten Unterkunft der Rundreise, weiter nach Wimborne, ganz in der Nähe von Bournemouth. Das sind schon ohne größere Stopps ca. 250 Kilometer (überwiegend Landstraße) und über 4 Stunden Fahrzeit netto. Zusätzlich wollten wir uns unter anderem anschauen:
- Sissinghurst Caste, einen der ältesten Gärten in England
- Die Seven Sisters Klippen
- Brighton
- Was sonst noch so am Wegesrand liegt und angeguckt werden will.
Merke: Wenn Dich Dein Zeitplan erst mal überholt hat, dann gehen die Chancen, ihn wieder ein zu holen, praktisch gegen Null.
Verschärfend kommt hinzu, dass unser Reiseveranstalter uns DRINGEND ans Herz gelegt hat, bei einer Ankunft nach 18 Uhr UNBEDINGT vorher die Unterkunft an zu rufen, da sonst das Zimmer weg sein könnte.
Ihr seht, ich war tiefenentspannt. Ich meine… was soll schon schief gehen?
Stopp eins: Sissinghurst.
Eigentlich hatte unser Plan, früh zu starten, ganz gut geklappt. Frühstück eine halbe Stunde früher, um kurz nach 9 Uhr lost gefahren. Die Fahrt selber sollte ca. 40 Minuten dauern (überwiegend auf Nebenstraßen durch die Walachei) und so waren wir tatsächlich um Punkt 10 Uhr am Tor. Und um 10 Uhr macht Sissinghurst auch auf. Zumindest technisch betrachtet. Das Tor ging auf und wir fuhren auf den Parkplatz. Die Freude währte keine 10 Minuten, denn am Ticketschalter erfuhren wir dann: Der Haupteingang, der Gemüsegarten, der Shop und das Cafe, DIE machen alle um 10 Uhr auf. Der Garten hingegen (und um den ging es uns), DER öffnet erst um 11 Uhr. Och neee… Wir beschlossen, dennoch zu bleiben und das hatte zumindest einen Vorteil: Der Nieselregen, der mittlerweile eingesetzt hatte, hörte pünktlich zur Öffnung des Gartens wieder auf.
Hier nun ein paar Bilder aus dem wirklich sehr schönen Garten, der jede Verspätung Wert war.







Stopp zwei: Seven Sisters
Danach ging es ohne Umwege, aber über viele enge Landstraßen in ca. anderthalb Stunden zu den Seven Sisters. Wieder Kreidefelsen, ähnlich wie die in Dover, aber man kommt ganz nah ran. Wenn man sich für eine Attraktion entscheiden muss, dann empfehle ich Seven Sisters statt Dover. Doch seht selbst:




Nun war es bereits nach 13 Uhr und wir waren noch nicht mal in Brighton. Auch wenn Brighton nicht als besonders schön gilt, so wollte ich doch gerne mal den bekannten Pier sehen. Nach Brighton fahren, einen Parkplatz finden, zur Strandpromenade laufen… das dauert.
Stopp drei: Brighton
Um es kurz zu machen: Stimmt. Brighton ist wirklich keine schöne Stadt. Oder wir hatten Pech und sind wirklich durch die schlimmsten Viertel gefahren und gelaufen? Wenn ihr das anders seht, dann sagt mir gerne, wo es da schön ist.
Der Pier ist vielleicht bei Dunkelheit „mit annenen Lichtern“ ganz nett, bei Tageslicht betrachtet ist das alles derart heruntergewirtschaftet, kaputt und dreckig, dass ich da nicht mal „totfrittierte Pommes“ essen würde.

Da waren wir also um halb vier in Brighton, mit gut 90 Meilen Reststrecke, und wussten, dass wir es selbst ohne weitere Stopps nicht bis 18 Uhr zur Unterkunft schaffen würden. Daher wollte ich unbedingt der Unterkunft Bescheid sagen und versuchte im 20 Minuten Rhythmus dort an zu rufen. Aber: Keine Chance. Sprachbox. Wieder Sprachbox. Und nochmal Sprachbox. Gleichzeitig fuhren wir von Stau zu Stau und haben in der ersten Stunde nach Abfahrt in Brighton mal gerade 20 Meilen geschafft.
In meiner Verzweiflung sind wir dann irgendwann über den Wolters Service gegangen, der sich dann aber auch nicht mehr gemeldet hat. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie sehr mich das gestresst hat. Am Ende hat alles geklappt, das Zimmer war noch da und an der Haustür der Unterkunft hing für „Notfälle“ eine Telefonnummer – eine ganz andere als die auf der Wolters Unterkunft-Liste…
Zeit nagt!
Beim Rundgang über den Pier in Brighton ist mir aufgefallen, wie „abgeranzt“ hier alles ist. Und das trifft nicht nur auf Brighton zu. Am Mittwoch ging es auf Erkundung rund um Southhampton, wobei wir Southhampton selbst ausgelassen haben.
Portsmouth und die Isle of Wight
Eigentlich braucht man für die Isle of Wight einen ganzen Tag. Den hatten wir nicht. Aber ich wollte unbedingt mit dem letzten kommerziellen Hovercraft der Welt fahren. Also sind wir für ein paar Stunden von Southsea nach Ryde gefahren und dann durch die Stadt gewandert.


Beim Rundgang durch Ryde ist mir wieder aufgefallen, wie schrabbelig viele Dinge doch sind:


In der Passage selber, mit viel gutem Willen und schlechter Kameraauflösung, sieht es noch passabel aus:

Schräge Läden hat es auch und ich frage mich, wie sich sowas hält:

Nach unserem Rundgang haben wir uns entschlossen, unsere Rückfahrt nach Portsmouth um eine Stunde vor zu verlegen und stattdessen noch einen Zwischenstop im New-Forest Park ein zu legen, bevor wir nach Bournemouth weiter fahren.
Doch auch bei den Hovercrafts… Wartungsstau:

Um noch kurz beim Thema zu bleiben: Auch in Bournemouth gibt es einen Pier. Die Lage ist zwar insgesamt schöner als in Brighton, mit einem lebendigen und schönen Stadtzentrum inklusive Parks, aber auch dieser Pier… hat Wartungsstau:


Die Überraschung des Tages
Bei all dem Gemecker über marode Piers, schäbige Shops und unattraktive Städte möchte ich eine kleine positive Überraschung nicht verheimlichen:
Zwischen Southhampton und Bournemouth liegt der „New Forest National Park“, in dem auch ein paar kleine Ortschaften zu finden sind. Unter Anderem „Beaulieu“ mit einem großen Auto-Museum, in dem es auch eine Ausstellung der verrückten Kreationen der Autosendung Top Gear geben soll. Also sind wir dort hin gefahren. Alleine die Anfahrt war schön, durch den Naturpark, in dem Pferde und Esel frei herum laufen und auch gerne mal in Gruppen an oder auf der Straße stehen.
Was die Top Gear Ausstellung betrifft so hat uns Gemini angeflunkert, die steht seit Jahren schon in Aberdeen. Angesichts dieser herben Enttäuschung (Jeremy Clarkson, Top Gear) haben wir die Gelegenheit zu einem Rundgang und einem Snack im Dorf genutzt und waren sehr angetan. Auch eine Kanne Tee im hiesigen Hotel-Cafe durfte nicht fehlen:


Und hier, am „Arsch der Welt“ gibt es eine unscheinbare kleine Firma, RWD, die zu den ganz großen im Bootsbau gehört. Ich hatte das erst für einen Co-Working Space gehalten, voll mit Computerarbeitsplätzen. Und auch wenn es schwer zu glauben ist, das hier ist die Firmenzentrale:

Zum Abschluss des Tages gab es in unserem „Hood“ in Wimborn eine Pizza. Auf dem Weg dort hin kamen wir an einem Pub vorbei. Aber auch wenn ich das wirklich lustig fand, weil ich „Clarksons Farm“ gerne schaue, sind wir trotz dieses Angebotes nicht rein.

Grüße,
Bloke