Moinsen! Da mein Skippertraining ja leider nicht wie geplant stattfinden konnte, hatte ich gestern stolz verkündet, HEUTE unter Anderem in den Timanfaya Park fahren zu wollen. Nachdem ich hier auf Lanzarote bisher nie irgendwo nennenswert anstehen oder warten musste, war der Plan für mich irgendwie naheliegend.
Denkste.
Man kann die Tickets nur online kaufen und als ich heute Früh auf der entsprechenden Website die Buchung machen wollte musste ich fest stellen: Geht nich weil is nich. Das Tageskontingent war ausgeschöpft. Na super. Aber: Hoffnung lungerte um die Ecke: Für morgen gab es noch welche. Freude schöner Götterfunken! Jedoch: Man kann keinen festen Zeitpunkt buchen. Alle Tickets sind den ganzen Tag gültig und man hat keinen Anspruch darauf, genau DANN rein zu kommen, wenn man dort erscheint. Ich muss aber spätestens gegen 12:30 Uhr zum Flughafen…
Ich musste die neue Situation erst mal sacken lassen und hab den Tag mit Frühstück angefangen…

Eine Vor-Tour
Nach ein bisschen Zögern habe ich einfach mal ein Ticket gekauft. Wenn’s halt nicht klappt, dann verfällt es. Nicht schön, aber… Haben ist besser als brauchen. Außerdem ist die Straße durch den Park auch ohne Ticket befahrbar – zum Beispiel Heute. Daher habe ich heute Früh beschlossen, einfach mal durch den Park zu fahren. Nebenbei bemerkt ist das Besucherzentrum ein gutes Stück nördlich der wortwörtlichen „Hot Spots“, da hätte ich morgen sowieso keine Zeit mehr im Plan.
Schöner Nebeneffekt: Am Eingangstor des Parks konnte ich kurz anhalten und fragen, wann genau das Tor auf geht: Um 9 Uhr. Ob da schon eine lange Schlange ist, morgens? Nein! Besser geht es doch gar nicht. Da schau ich zu, dass ich um kurz vor Neun Uhr oben bin und hab dann entspannt Zeit, bevor ich wieder zurück und zum Flughafen muss. Außerdem konnte ich so das Eingangs-Ornament, an dem man normalerweise nur vorbei fährt, gleich mal ablichten:

Die Ausweichroute
Was manchen nicht klar ist: Es gibt ja nicht nur Timanfaya als Vulkanlandschaft. Rund herum befindet sich der Parque Natural de Los Volcanes. Und der kostet nix, genauso wie das Besucherzentrum. Man muss nur eine Straße weiter rechts fahren…
Am Besucherzentrum gibt es einen kleinen Steg über die abgekühlte Lavalandschaft und ich denke, das verschafft einen Überblick über das, was einen später oder am nächsten Tag noch erwartet.


Auf der Alternativroute gibt es zwei Parkplätze, von denen aus man jeweils einen Vulkan umwandern kann. Ich habe mich für den „Caldera Colorada“ entschieden. Hier gab es nicht nur wunderschöne Vulkanlandschaft zu bestaunen, sondern auch noch den Video-Dreh einer lokalen Lanzarotischen Sängerin: Talulah Ruby





Von der Wildnis in die Zivilisation
Nach dem ca. 4 Kilometer langen Rundweg um den Krater war die Zeit schon etwas fortgeschritten und mir wurde es da draußen – so ganz Baumlos – zu heiß. Nur… wo hin? Zum Glück gibt es auf der Insel ja noch ein/zwei Werke des bereits erwähnten Künstlers Cesar Manrique zu bewundern. So auch die Anlage „Lagomar„. Mir war das zwar fast zu nah an einem Anagramm von „Mar-a-Lago“, aber zum Glück war es doch etwas ganz anderes.
Wer meinen Status zu dieser Zeit verfolgt hat erinnert sich: Ich war mir nicht sicher, wen ich für verrückter halten sollte: Dali, Colani, Hundertwasser oder Manrique. Doch seht selbst, was Manrique hier in Lavahöhlen gezimmert hat:









Was mir beim Rundgang unweigerlich auffiel: Das ganze Ding ist wahrlich nicht barrierefrei. Und auch nicht für den Durchschnittshühnen bemaßt. Alleine die Treppen überall:

Es gibt auch eine wirklich wunderschön im Berg gelegene Hausbar, die macht aber erst um 18 Uhr täglich auf. Mir war das leider zu spät und auch am Abend noch einmal da hin eiern war mir zu stressig.

All diese Eindrücke musste ich dringend im Garten um den kleinen Teich verarbeiten. Ein Snack half dabei:

Hier sehr ihr den Plan mit dem Rundgang durch die Anlage:
Der aufmerksame Leser erkennt oben Rechts die Bezeichnung „House of Omar Sharif“. Ja, es gibt dort eine kleine Geschichte darüber, wie sich Omar Sharif zum Ende der Bauzeit hin – während er für Dreharbeiten auf Lanzarote weilte – in das Haus verliebt und es kurzerhand gekauft hat. Angeblich soll er es noch am selben Tag beim Poker wieder verzockt haben. Es hat ihm also nur knapp einen Tag gehört und er soll seit dem nicht wieder dort gewesen sein. Ob das stimmt?
Und noch’n Manrique
Wo wir gerade dabei sind und wo es doch so gut läuft, warum machen wir nicht noch einen Manrique-Stop? Er hat sich nämlich auch weiter im Norden der Insel verewigt. Eigentlich war ich gestern ganz in der Nähe, wirklich GANZ in der Nähe. Erinnert ihr euch an den Besuch in der grünen Höhle? Das ist ja eigentlich ein von Lava im Rahmen eines Vulkanausbruchs gegrabener Tunnel durch Gestein. Insgesamt ist der in diesem Fall 8 Kilometer lang und reicht bis hinunter ans Meer. Und jetzt kommt’s: Die grüne Höhle liegt etwas oberhalb, weiter unten, direkt am Meer, ist dieser „Tunnel aber teilweise offen und dort konnte Manrique offenbar nicht an sich halten und hat noch was gebaut… Die Jameos Del Agua.
Angesichts von 17 Euro Eintritt war ich zunächst skeptisch aber ich finde, es hat sich doch gelohnt. Man durchläuft die Anlage vom Meer her „aufwärts“ und es geht hier – in entsprechend aufsteigender Reihenfolge:
- Durch ein Restaurant – schaute edel aus.
- Bergab zu einem kleinen, 7 Meter tiefen, glasklaren Teich mit blinden, vom Aussterben bedrohten Albinokrebsen (sauschwer zu fotografieren, ich hab’s daher gelassen)
- Weiter in eine Bar, den Hang hinauf
- Vorbei an einem Pool
- in eine Konzerthalle
Und jetzt zu den Bildern!



Hier sieht man am rechten Rand wieder einmal seine Vorliebe für Betonierte Sitzmöbel mit Plastikauflagen der poppigen Art.




Auf dem rechten der beiden Poolbilder kann man ganz hinten erahnen, wo es hinunter geht zu den Albinokrebsen in Richtung Restaurant.
Und als ich da so saß war ich fast ein wenig enttäuscht, das man dafür 17 Euro Eintritt haben wollte. Gerade wollte ich mich auf den Weg nach oben und zum Parkplatz machen als ich erkannte, dass die Tür, durch die alle gingen, gar nicht zu den Toiletten führte, sondern in einen weiteren Raum. In dem Moment, als ich da rein kam, zog es mir fast die Schuhe aus. Dieser Konzertsaal ist der Oberhammer. Und aufgrund des porösen Gesteins – soweit ich das beurteilen kann – vollständig Echo-frei.

Am oberen Ende der Treppe durften ein paar Skulpturen natürlich nicht fehlen. Geht noch mehr 70er?

Damit ging dann auch dieser Tag auf Lanzarote zu ende. Morgen früh fahre ich noch in den Timanfaya-Park und gegen 13 Uhr muss ich am Flughafen aufschlagen. Was immer es auch von morgen zu berichten geben wird, muss noch ein bisschen warten, bis ich Zeit und Muße habe, es auf zu schreiben… Zuerst muss ich den kompletten Umfang meiner Reisetaschen tiefkühlen, um der Kakerlaken-Invasion in unser Heim vor zu beugen. Sicher ist sicher.
Bloke
P.S.: Oben am Ausgang stand ein Taxi. Ich bin gespannt, wer mir sagen kann, welcher Buchstabe da fehlt…

