Lanzarote von Oben und von Unten

Wie ihr vom Lesen dieses Artikels schon wisst, ist mein Skipper Training am Ende im Wesentlichen ausgefallen. Auf Lanzarote spielt Wasser sowieso eine untergeordnete Rolle, wieso soll ich da auch segeln gehen…?!? Und so habe ich den gestrigen Tag mit einer kleinen Inselrundfahrt verbracht.

Apropos Wasser: Ich habe mich wirklich gefragt, wie die Menschen hier ohne nennenswerten Regen – und daher ohne Flüsse oder Seen – überleben konnten, insbesondere in den frühen Tagen der Zivilisation, schließlich ist die Insel schon seit 3.000 Jahren bewohnt. Wer’s wissen will: HIER im Abschnitt „Wasserversorgung“. Interessant!

Mobilitätsherstellung

Da mein ursprünglich vorgesehenes Fortbewegungsmittel das Segelboot war, stand ich nun erst mal da wie ein Haus: Immobil. Abhilfe musste her und so habe ich einen Mietwagen am Flughafen in Arrecife gebucht. Vorteil: Den kann ich am Donnerstag auch wieder am Flughafen abgeben.

Oberhalb der Marina gibt es einen Taxi-Stand und als ich dort eintraf standen schon 6 Personen da und warteten. Auf meine Frage hin wurde mir mitgeteilt, dass man idealerweise ein Taxi bestellt und so habe ich mich auf die Suche nach einer Telefonnummer gemacht. Google und die KI gaben mir Nummern von zwei Taxi-Zentralen. Die erste hat mir mitgeteilt, dass sie nur Fahrten vom Flughafen nach irgendwo hin anbieten (quasi für Ankommer in einen anderen Bereich der Insel) und die andere Nummer gab’s nicht (mehr?). Super. Stress.

Doch dann erwähnte einer der älteren Briten, dass regelmäßig Taxis hier vorbei kämen und so war es auch. Nach ca. 10 Minuten warten ging es los zum Flughafen. Den Mietwagenschalter und im Anschluss den zugehörigen Abholparkplatz habe ich zügig gefunden und hoffentlich auch alle relevanten Macken und Kratzer dokumentiert.

Wohin mit der gewonnenen Freiheit?

Da saß ich also um die Mittagszeit im Mietwagen und war plötzlich in einem völlig anderen Urlaub als ursprünglich gedacht. „Was schau ich mir denn jetzt eigentlich an, am heutigen halben und dem morgigen ganzen Tag?“ Es herrschte akute Optionsüberwältigung.

Nach ein bisschen Recherche wurde folgender grober Plan gemacht:

  • Zunächst mal in den Norden, da gibt es eine schöne Vulkanhöhle und das „Nordkapp“ der Insel
  • Am nächsten Tag in die Vulkanlandschaft von Timanfaya. Wenn die Leute das hier aussprechen höre ich als Viel-Englisch-Sprecher immer nur „Tim on fire“. Der arme Tim. Wieso löscht den keiner?

Runter

Auch wenn es nun hoch in den Norden ging, führte der erste Stop „runter“, unter die Erde. Eine Vulkanhöhle, Cueva de Los Verdes hatte mein Interesse geweckt. Inklusive 1km-Rundgang unter der Erde.

Unter Anderem gab es dort auch einen kleinen „Konzertsaal“, der – obwohl groß und aus Stein – Echofrei war. Soweit ich verstanden habe aufgrund der zerklüfteten Wände und des offenporigen Basalt-Gesteins.

Hier mal ein paar Eindrücke:

Die Tour dauerte rund eine dreiviertel Stunde und war – für mich als langen Lulatsch – phasenweise anstrengend. Manche Abschnitte erforderten wirklich tiefe Verbeugungen und Enten-Watschelgang. Aber es war der Mühen wirklich Wert. Insbesondere für Besucher im Sommer kann ich diese Tour sehr empfehlen. Kurzweilig, interessant und angenehm temperiert 😉

Rauf

Nach „Runter“ kommt „Rauf“, so auch hier und heute. Nächster Stop? Das „Nordkap“. Zumindest ungefäht. Denn GENAU genommen ist Mirador del Rio nicht ganz das Nordende der Insel, für mich aber nahe genug dran.

Der Aussichtspunkt ist aus verschiedenen Gründen interessant / beeindruckend:

  • Er liegt auf 475 Metern Höhe
  • Auf einer Steilküste – es geht quasi senkrecht runter bis zum Meer
  • Mit Blick auf die kleine Nachbarinsel La Graciosa
  • Gebaut / Designt von César Manrique, einem Lanzarotischen Künstler
  • Aus Wikipedia: Es galt zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung Mitte der 1970er Jahre als eines der bedeutendsten modernen Bauwerke der Welt.
  • Und: Es war der Drehort für das Zuhause des Bösewichtes (Baron de Lefouet) in der Serie „Timm Thaler“.

Und deshalb habe ich die 9 Euro Eintritt gerne bezahlt und sogar noch eine heiße Schokolade und einen Muffin im Cafe direkt an der Panoramascheibe genossen…

Ein Panorama habe ich auch noch gemacht, ich hoffe, das funktioniert für Euch!

Das war ein wirklich beeindruckender Stopp.

Zurück

Für den Rest des Nachmittags hatte ich keine weiteren Pläne also hab ich beschlossen, kurz in Arrecife an zu halten und mir die Stadt an zu schauen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass es sehenswert wäre aber ganz im Ernst: Mir ist nicht klar, in welcher alternativen Realität das der Fall sein soll. Grau, staubig, dreckig und dubiose Gestalten auf der Straße… Ich kenne soooo viele Orte auf der Welt, die ich lieber besuchen würde.

Aber ich will mal nicht so sein und habe euch ein Bild der Festung mit gebracht:

So, das war’s für den Tag. Morgen steht der Vulkan-Park Timanfaya auf dem Plan. Mal schauen wie es wird. Viele Grüße,

Bloke