Wir rauschen, wie Ihr alle wisst, gerade hurtig durch die Weihnachtszeit und dazu gehört auch der gepflegte Besuch auf einem Weihnachtsmarkt. Nun haben wir einige besuchenswerte Märkte in unmittelbarer Nähe, aber ich hab ja auch meinen Dickkopf. Immer wieder höre ich (wenn kein Advent ist) von Leuten, wie schön Straßburg im Advent ist. Und immer dann, wenn Advent ist, fahren wir nicht hin, weil tausend andere Dinge wichtiger sind. Oder ich höre dann, wie voll es im Advent ist. Egal. DIESMAL wollte ich hin, selbst wenn es voll sein sollte.
Um es kurz zu machen: Es war voll! Richtig voll. Also so richtig, wahnsinnig voll. Mit Barrikaden um die gesamte Innenstadt, Zutrittskontrolle inkl. Taschenprüfung und trotzdem gefühlt Millionen von Leuten, die sich durch die Straßen quälten.
Aber das trifft es auch nicht ganz. Denn das bezieht sich im Wesentlichen auf die großen Weihnachtsmärkte auf dem Place Kléber und beim Straßburger Münster. Das bezieht natürlich auch die Fußgängerzone dazwischen mit ein. In diesen Bereichen waren wir selten Herr unserer eigenen Schritte und wurden in Richtungswahl und Tempo meist fremdbestimmt.
Immerhin gab es dort den größten und am üppigsten geschmückten mir bekannten Weihnachtsbaum.

Aber ich hatte so ein Gefühl, dass das doch nicht alles sein könnte. Und daher wollte ich unbedingt rüber in die Altstadt bei La Petite France. Denn eigentlich hatte ich dieses Viertel als deutlich kleiner und entspannter in Erinnerung. Zumindest aus dem Sommer.
Zugegeben, dort war es auch voll. Aber man hatte direkt in La Petit France in weiser Voraussicht gar keinen Weihnachtsmarkt eingerichtet, sonst wäre das Viertel von Touristen überrannt worden. Direkt gegenüber, auf dem Place Benjamin Zix gab es aber sehr wohl einen kleinen Markt und DER war regelrecht entspannt.

Hier war es deutlich weniger hektisch und es gab neben Glühwein auch Heiße Schokolade aus dem Zapfhahn. Das mussten wir unbedingt ausprobieren. Fazit? Extrem lecker:

Auch die umliegenden Sträßchen waren weniger frequentiert und strahlten dennoch Weihnachtsatmosphäre aus.

Von hier aus war es nicht weit bis zum Salon de The, in dem wir an Ostern 2022 schon einmal waren. Aber der sah – obwohl es mit 18:30 Uhr für einen Tee nach meinem Verständnis reichlich spät war – immer noch sehr gut besucht aus. Direkt daneben erhaschte aber etwas unsere Aufmerksamkeit, das man am Besten mit „Studenten-Beize“ beschreiben kann. Das Chez les Lùschtig.
Und lustig war es tatsächlich ein bisschen, denn hier wird viel Wert auf Lokalkolorit gelegt. Der Aperol Spritz ist hier mit Cremant und heißt „Spritz Alsacien“, die Cola heißt „Cola Elsass“.

Dazu gab es eine kleine Portion Pommes Frites (frisch und heiß inklusive Ketchup-Flat) für schlanke 4 Euro. Man kann sich wirklich nicht beschweren, solange man mit dem studentischen Flair klar kommt. Uns hat es gefallen.
Allmählich stand der Rückweg an und wir waren uns einig: Nein, wir steigen nicht wieder an der Station „Homme de Fer“ ein. Dort war es – in der Nähe zum Weihnachtsmarkt – unfassbar voll mit Schlangestehen zum Einstieg in die Tram. Stattdessen sind wir zum Hauptbahnhof gelaufen und von dort zum Park&Ride gefahren. Auf dem Weg dort hin kamen wir an einer Bäckerei vorbei und haben neben einem frischen Baguette (irgendwie bekommen das nur die Franzosen so richtig lecker „gebacken“) auch eine andere Spezialität mit genommen.
Mir ist ja schon in der Kneipe die Nähe zu Deutschland aufgefallen, schließlich hieß die „Luschtig“. Und so kam es, dass uns ein kleines Männchen ins Auge fiel, das „Mannele“ hieß. Davon haben auch noch zwei in unsere Tasche gepasst.
Vor dem Bahnhof wurden wir zum Abschied noch einmal daran erinnert, dass Straßburg offensichtlich die Weihnachtshauptstadt ist:

Und schon war unser kurzer Weihnachtsausflug ins „Ausland“ vorbei. Immerhin gestaltete sich die Rückfahrt dank weniger Stau erheblich stressärmer als der Hinweg.
Grüße,
Bloke
