Urlaub auf dem Wasser – Teil 2

Hier nun also die – leicht verspätete – Fortsetzung des Berichts vom Segeln in Kroatien

Doch zunächst noch ein Nachtrag: Anbei ein Video vom Morgen des Sturm-Tags in Palmizana. Ein kleiner Eindruck von der Gräuschkulisse…

Aber zurück zum Thema… Ich hatte mich über die bescheuerte doppelte Großschot aufgeregt, die das Handling bei jeder Halse und Wende unnötig kompliziert macht. Und die sollte bald daruf eine Rolle spielen:

Irgendwann wollte ich die Segelfläche verkleinern, weil wir uns den angekündigten 20 Knoten angenähert hatten und erste Böen leicht drüber gingen. Dabei habe ich zwei wirklich bescheuerte Fehler gemacht, aber die passieren mir jetzt definitiv nicht mehr. Ich trau‘ es mich fast nicht zu erzählen:

Das Boot wurde auf einen Am-Wind-Kurs gebracht, sodass der Baum leicht nach links auswehen kann. So kann das Segel besser aufgewickelt werden. Ich habe aber nicht gesehen, dass die eine der beiden Großschoten noch Zug drauf hatte, und somit noch Druck im Segel war. Außerdem habe ich das Unterliek, das beim Reffen des Segels geöffnet werden muss, nicht über die Winsch gelegt. Hätte ja ohne Druck im Segel nicht sooo viel Zug drauf sein sollen. Kaum war die Klemme auf…. kam auch schon Faktor 3 zum Tragen: Am Ende des Unterliek-Streckers war kein Knoten drin. Schwupps, schon war das Seil raus. Damit konnten wir das Groß nicht mehr setzen und haben es direkt eingerollt.

Die letzten 3 Meilen zum Hafen sind wir daher mit Motor gefahren. Und ich ärgere mich über diesen Fehler immernoch!

Der Hafen selbst, Vrbosk, liegt wunderschön in einer kleinen Flussmündung bzw. am Ende einer schmalen Bucht. Er heißt auch „Klein Venedig“, aufgrund der Brücken und einer kleinen Insel in der Mitte.

Bei der Einfahrt in den Hafen von Vrbosk. (Danke Thomas für das Bild)

In der Anfahrt auf unseren Liegeplatz frischte der Wind auf, sodass wir mit knapp 20 Knoten Seitenwind auf den Liegeplatz zufuhren. Mitten in der Anfahrt ging der Wassertiefen-Alarm los. Ein Blick aufs Display: Schnell abnehmende 1,40m. Äh, 1.10m. Nein, 90cm…

Das hat mich derart gestresst, dass ich das Manöver selbst – mit dem Seitenwind – nicht sauber gefahren bin. Zwar haben wir niemanden gerammt, sind aber doch sehr schief am Steg angekommen. Das war irgendwie nicht mein Tag.

Vrbosk. Süßer, kleiner Hafen.

Wie wichtig doch das richtige Werkzeug ist…

Am Donnerstag sollte es über das goldene Horn nach Split gehen. Eine Strecke, für die wir zeitig los gemusst hätten. Leider mussten wir auf die Reparatur des Unterlieks warten. Mit dem richtigen Werkzeug hätte der Mechaniker das in einer guten halben Stunde hin bekommen. Weil er aber zunächst nur einen labbeligen Plastikschlauch zum Durchfädeln hatte, haben wir gute 1,5 Stunden damit verbracht, eben diesen Schlauch zwecks Einfädeln des Unterlieks in den Baum zu fummeln. Am Ende hat er uns den Draht der Reling abgeschraubt und es damit in wenigen Minuten hin bekommen. Hätte er auch früher haben können, der Kosten-Treiber.

Um die Zeit teilweise wieder einzuholen haben wir nach der Reparatur die Strecke bis zum goldenen Horn unter Motor zurück gelegt. Nach einer Badepause an einer Boje ging es von dort weiter Richtung Milna. Genau, der Hafen, in dem wir Sonntags schonmal waren. Aber bis zum ursprünglichen Ziel – Split – hätten wir es nicht mehr geschafft, dafür waren wir bei zu wenig Wind zu spät dran.

Adrenalin… wer will nochmal? Wer hat noch nicht?

Wie Einfahrt zum Hafen von Milna ist – wie schon am Sonntag erlebt – idyllisch. Und schmal. Ziemlich schmal. Während wir das Boot für das Anlegemanöver vorbereiteten (Fender raus, Festmacher bereit legen) tuckerten wir langsam und bei Windstille durch die schmale Zufahrt zum Hafen. Plötzlich blockierte das Ruder. Das Steuerrad liess sich keinen Millimeter mehr bewegen. Nicht nach links und nicht nach rechts. Nachdem ich das Boot abgestoppt hatte hab ich mir erst mal einen Rüffel abgeholt. In der Hektik habe ich einen Hilferuf über Funk abgesetzt. Die Antwort von Split Radio: „Dann schmeiß halt den Anker und funke den Vermieter an…“.

Also haben wir mitten in der schmalen Hafeneinfahrt geankert – direkt vor der Tankstelle. Zunächst wurde der Hafen kontaktiert, mit der Bitte, uns rein zu schleppen. Das könne man zwar machen, hieß es, aber erst in einer Stunde, wenn der Hafenmeister wieder da sei.

Während wir also unser Abendessen zeitlich „davon schwimmen“ sahen, habe ich mir das Ganze nochmal im Detail angeschaut. Da war ein Gestänge, das die Rudermechanik blockierte und das verschwand in einem schwarzen Kasten. Hm… Als alter Informatiker dachte ich mir: Reboot tut gut. Also Hauptsicherung aus und wieder an: Ruder geht. Erleichterung allenthalben. Schnell war der Anker oben, der Hafen informiert und wie auf dem Weg zum Liegeplatz.

Und kaum 30 Sekunden später, wir waren gerade dabei, das Boot um zu drehen um rückwärts anzulegen: Ruder blockiert. Wir trieben auf eine 30-Meter-Segelyacht und damit eine ziemlich kostspielige Kollision zu. Glücklicherweise wussten wir ja jetzt: Strom aus!

Die Mega-Yacht, die wir beinahe gerammt hätten… (Foto by Thomas)

So konnten wir mit etwas Schweiß auf der Stirn doch noch anlegen. Es stellte sich heraus, dass der Autopilot, den wir in der ganzen Woche nicht angefasst hatten, plötzlich der Meinung war, einen bestimmten Kurs halten zu müssen. Der Plan für den kommenden Tag: Autopiloten immer auf jeden Fall ausschalten!

Vollmachen, bitte!

Es kam was kommen musste: Der letzte Tag auf dem Wasser. Freitag Abend mussten wir rechtzeitig im Hafen von Trogir zurück sein. Und da wir relativ viel unter Motor gefahren sind: Volltanken!

Zum Glück haben uns die Nachbarn am Steg einen guten Tipp gegeben: Gleich hier in Milna volltanken. Nicht erst am Abend in Trogir, wo sich wahrscheinlich zig Yachten um die Zapfsäulen prügeln werden.

Blick vom Badestrand auf Milna (Danke Thomas).

Hier in Milna kreisten nur 3 andere Boote in der Warteschlange. Also haben wir einen halben Tag Bade-Auszeit eingelegt und sind gegen Mittag entspannt zur Tanke geschippert.

Warten vor der Tanke. Komplizierter als mit dem Auto 😉

Die viertel Stunde Wartezeit wollte ich eigentlich gemütlich mit dem Heck gegen den Wind und mit Standgas Rückwärts abwarten. Aber die drei anderen Boote sind die ganze Zeit mit halbem Vorwärtsschub um uns herum Achterbahn gefahren… Das war am Ende auch für mich stressig…

Das Tanken selber verlief ohne weiter Zwischenfälle oder Ausläufer und so sind wir am frühen Nachmittag Richtung Trogir aufgebrochen. Die Vorhersage hat eigentlich für den Nachmittag nochmal ein bisschen Wind angekündigt, doch als wir dann draußen waren war leider Flaute. 2 Knoten und weniger hätten uns nie rechtzeitig nach Trogir gebracht.

Motorsegler

Bei mir machte sich deutliche Enttäuschung breit. Denn ich hatte gehofft, den Mitseglern noch einmal zeigen zu können, wie schön Segeln ist, wenn Wind und Wetter passen. Letzte Hoffnung: Schnellstmöglich hoch an das Nordende der Insel Solti. Dort bilden die Insel und das Festland eine Schneise, durch die der Wind noch ein bisschen pfeifen könnte.

Ich muss gestehen: Da es absolut windstill und bis zum Horizont kein anderes Boot in Sicht war, haben wir einfach die Maschine gestartet und sind mit Halbgas und wehenden Segeln nach Norden gefahren.

Rund eine Stunde später habe ich gemerkt, wie der Wind langsam auffrischte, je weiter wir aus der Landabdeckung heraus kamen. Dann hieß es: Maschine aus, Segel trimmen.

Hoch am Wind

Und siehe da: Bei rund 17 Knoten Wind konnten wir mit „vollem Zeug“ hoch am Wind segeln. Zunächst war es eindeutig: Wir würden es mit dem Wind nicht direkt bis vor die Durchfahrt zur Bucht von Trogir schaffen, sondern würden noch einmal wenden müssen um Höhe nach Nordwest zu machen. Allerdings drehte der Wind, je weiter wir nach Norden und damit in die Schneise hinein segelten. So konnten wir ganz allmählich – immer ganz hoch am Wind – langsam Höhe knapsen.

Dabei entstand auch ein kleiner Wettkampf mit einem weiteren Segelboot auf gleichem Kurs. Zu Beginn waren sie etwas schneller und etwas höher am Wind unterwegs als wir. Doch nach einer weiteren Segeloptimierung konnten wir ganz gut mithalten. Allerdings stellte sich heraus, dass wir dennoch eine zusätzliche Wende benötigten um die nötige Höhe für eine Durchfahrt in die Bucht zu schaffen. Ich konnte dem anderen Boot aber nicht direkt vor die Nase fahren. So haben wir ein wenig Geschwindigkeit und Höhe raus genommen und haben erst hinter dem Überholer gedreht.

Dieser Nachmittag hatte zumindest mich für einiges an Stress entschädigt. Und ich hatte das Gefühl, es war auch für die Mitsegler ein versöhnlicher Ausklang der Woche auf dem Wasser.

Schluss, aus, fertig.

Je näher wir der Bucht von Trogir kamen, desto mehr Boote tauchten aus allen verschiedenen Richtungen auf und reihten sich in eine lange Karawane mit Richtung Hafen. Bei mir kam die Frage auf, wo zum Henker wir noch genug Platz hätten, um das Boot in den Wind zu drehen und die Segel zu bergen. Deshalb habe ich entschieden, das etwas früher zu tun, um den verbleibenden Freiraum entspannt nutzen zu können.

Wie sich heraus stellte, war das die richtige Entscheidung. Wir konnten die Segel bequem bergen und im Anschluss unter Maschine durch die Bucht von Trogir in Richtung Hafen tuckern. Auf dem Weg zu unserem Steg passierten wir auch die dortige Tankstelle. Ein wildes Ballett von gut 8-12 Segelbooten stellte uns vor die Herausforderung, so durch den Reigen zu fahren, dass wir mit niemandem kollidierten, niemand befürchten musste, wir wollten uns vordrängeln und wir am Ende noch Kurs auf unseren Steg haben würden.

Da die Mehrheit der Segler noch um die Zapfsäule kreiste, war unser Steg noch weitgehend leer. Dadurch konnten wir wieder stressfrei und ohne allzu große Verrenkungen rückwärts anlegen und den letzten „Anleger“ trinken.

Der Taucher stellte gleich darauf fest, dass wir keine Grundberührung hatten (das wusste ich eh schon) und gab das OK für den Check des Bootes durch die Charterbasis.

Damit war der Weg frei für ein letztes gemeinsames Abendessen in der Altstadt von Trogir, bevor wir am nächsten Morgen in unterschiedliche Richtungen aufbrechen würden.

Altstadt-Szene in Trogir (Danke Thomas).

Zwei Mitsegler haben direkt den Rückweg angetreten, zwei weitere haben noch drei Tage mit Eva und mir verbracht. Die Bilder der Besuche bei den Plitvicer Seen und den Krka-Wasserfällen konntet ihr ja bereits in den Bildergalerien sehen.

Und den Abschluss fand unser Urlaub in Dubrovnik, das sich Eva und ich alleine angeschaut haben.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Liebe Grüße,
Bloke

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