Murphy war Optimist…

… und ich war offline 🙁

Die letzten beiden Tage waren ziemlich ereignisreich. Leider waren sie auch mit einem unglaublich langsamen und instabilen Internetzugang verbunden, weswegen ich keine Updates schreiben konnte. An den Upload von Bildern war erst gar nicht zu denken. Diese Zeilen schreibe ich gerade „old school“ in Word… 😐

Da ich heute (26.12.) ziemlich fertig bin, fasse ich euch die wichtigsten Ereignisse in der Kurzversion zusammen. Soviel zur Beruhigung: Ich habe auch ein paar Bilder vorbereitet, die ich sobald wie möglich in die Nextcloud stellen werde. Ich muss nur irgendwo ein WLAN finden, in dem ich problemlos 400 MB an Daten hochladen kann. Für die drei Handvoll Bilder am 23.12. habe ich 2,5 Stunden benötigt. Und mehrfache Anläufe.
Notiz an mich selber: „Bilder zum Backup“ in die Cloud stellen funktioniert scheinbar nicht wirklich. Wenn es hier, in der zivilisierten Welt, nicht klappt, dann dürfte das nirgends auf der Welt der Fall sein…. Nächstes mal muss ein anderer Ansatz her. Für den Blog reicht ja immerhin die reduzierte Auflösung. Das ist aber kein Backup…

Maut in Neuseeland

Nach meinem Regenfrühstück am ersten Weihnachtsfeiertag bin ich nach Kerikeri in der Nähe der Bay of Islands gefahren. Einerseits ist die Bay of Islands eine wirklich schöne Ecke, andererseits liegt sie ziemlich genau auf der Hälfte des Weges nach Cape Reinga. Und da wollte ich ja gerne endlich mal hin. Auf dem Weg nach Norden gibt es gleich hinter Auckland ein Stück von geschätzten 10 Kilometern Länge, auf dem – aus welchen Gründen auch immer – Maut fällig ist. Für einen PKW sind das ungefähr 3 Dollar. Jetzt wäre es offensichtlich zu viel Aufwand, dafür extra eine Plakette zu basteln oder gar nach deutschem Vorbild eine automatische Kennzeichenerfassung. Oder gar Maut-Häuschen wie in Frankreich? Man hat hier einfach ein großes Schild aufgestellt und geht davon aus, dass die Leute freiwillig auf der Website bezahlen werden. Würde ich ja, wenn ich hier Netz hätte!

The perfect view

Sobald ich ein paar Bilder in die Nextcloud hochladen kann, könnt ihr euch selbst einen Eindruck von der Bay of Islands verschaffen, Ich fand es jedenfalls sehr schön und hätte mir besseres Wetter gewünscht. Dann könnte man hier richtig schön segeln. Obwohl, halt, ICH nicht. Nach meiner Vorbereitung zum SKS (Segelschein) habe ich mir geschworen (die Navigationsaufgaben in Gezeitengewässern haben mich derart genervt), daß ich nie im Leben in Gegenden mit signifikantem Tidenhub segeln werde. Und siehe da:

Das Abendessen habe ich in einer entspannten Beach-Bar in Paihia genossen. Nichts Besonderes, aber es gab einen leckeren „homemade“ Cheesburger. Direkt vor mir saß eine Frau und während ich mir die Szene so angesehen habe dachte ich mir: The perfect view… Äh, für Sie, auf ihrem Platz. Nicht, dass das jetzt falsch rüber kommt. 😉

Hippie-Bus?!

Der Tag lief bis dahin sehr entspannt ab und ich hatte für die kommenden zwei Nächte ein wirklich ausgefallenes Zimmer in einer Anlage namens „Pagoda Lodge“ gebucht. In meinem Fall Pagoda 3.

Das ist eine Anlage, die wohl unter Erlebnis-Tourismus einzusortieren wäre, mit ausgefallenen und verrückten Ideen zur Frage, wie man Gäste beherbergen kann. Hier wird gerne für Hochzeiten gebucht, es gibt aber auch einen Campingplatz.

Während ich also in die Rezeption schneie und mich auf das Bett freue, schaut mich ein grauhaariger, schmächtiger Mann (ex-Hippi?) mit großen Augen an. Im ersten Moment dachte ich noch: Hab ich was an mir? Stimmt etwas nicht? Aber dann wurde mir klar was Sache war: Er hatte meine Reservierung (von Expedia bestätigt) nicht bekommen. Zumindest hatte er sie nicht in sein 250 Seiten dickes, handschriftliches Reservierungsbuch übertragen. Ergebnis: mein Zimmer war weg. Aber da war noch dieser Bus…

Der sei GAAAAANZ toll und der sei noch frei. Ich würde ihn lieben. Mit Gemeinschaftsbad/-dusche auf dem Campingplatz. Er gäbe ihn mir auch ganze 5% günstiger. Wegen der Umstände. Also haben wir ihn uns angesehen. Der Bus hatte so ziemlich alles, was ich haben wollte….. nicht.

Also was hatte dieses „Ding“?

  • Kein Bad/Toilette
  • Keinen WLAN Empfang
  • Keine Rolläden oder lichtdichten Vorhänge
  • Keine halbwegs winddichten Fenster. Es pfiff in allen Ecken
  • Etwas hatte er tatsächlich: Einen leicht muffigen, schimmeligen Geruch. Es ist und bleibt halt ein Bus, der geschätzte 40 Jahre im Einsatz war, bevor er in ein Hotelzimmer umgebaut wurde.

Nachdem ich 10 Minuten lang versucht habe, mich mit dem Gedanken an 2 Nächte in diesem Etablissement anzufreunden habe ich Tripadvisor angeworfen und mir ein ähnlich günstiges Zimmer in der Nähe gesucht. Und tatsächlich habe ich eine sehr hübsche Lodge gefunden. Mit eigenem Bad, Winddicht, dunklen Vorhängen und WIFI. Zumindest theoretisch, denn bis in MEIN Zimmer reichte das Signal leider nicht. Das war mir aber relativ egal. ICH konnte gut schlafen und IHR musstet mangels WIFI halt auf einen neuen Artikel und neue Bilder warten 😉

Übrigens: Für alles was jetzt kommt habe ich im Zweifel noch keine Bilder hoch geladen, ihr müsst ab jetzt also mit der reinen Erzählung vorlieb nehmen…

When it rains, it pours

Das bedeutet so viel wie: Wenn es mal schief geht, geht‘s richtig schief. Oder: Wenn es kommt, dann kommt‘s dick.

Heute Früh (26.12.) war ich immer noch etwas genervt, dass der nette alte Ex-Hippi von der Pagoda Lodge die Reservierung verbummelt hatte. Aber mir stand der Ausflug zum Cape Reinga bevor, dem Nordende von Neuseeland. Dahinter gibt es nur tausende Kilometer Wasser. Und weil das wirklich am Arsch der Welt liegt, wollte ich da unter keinen Umständen selbst hin fahren. Also hatte ich eine Tour gebucht, die mich ursprünglich in der Ortsmitte abholen sollte. Die nette Chefin der Lodge meinte aber, das mich der Bus auch hier abholen könne, was mir die Parkplatzsuche bzw. illegales Parken in der Stadt ersparen würde. Also habe ich gleich um 7 Uhr angerufen und gefragt. Ergebnis: Yea mate, no worries. Just be up at the side of the road by 8am. We‘ll pick you up there.

Ich kleiner Fuchs war schon um 7:50 Uhr oben, man will ja die Leute auch nicht warten lassen.

  • 7:50: Kein Bus (was OK ist, ich war zu früh)
  • 8:00: Kein Bus (was OK ist, wann sind die mal pünktlich, die sammeln ja Leute ein…)
  • 8:10: Kein Bus (dann werde ich für gewöhnlich nervös)
  • 8:15: Kein Bus. Also hab ich angerufen

Antwort am Telefon: Didn‘t she pick you up? Give me 5 minutes.

Es stellte sich heraus, dass der Bus schon um 7:45 Uhr auf mich gewartet hat und dann, kurz bevor ich oben angekommen bin, einfach weiter gefahren ist. Weitere Leute einsammeln. Was zur Hölle? Wenn mir einer 8:00 Uhr sagt, dann soll der bekiffte Bus halt auch bis 8:00 Uhr warten!

Um 8:30 kam der Bus dann zurück und hat mich auch noch mitgenommen. Der Tag konnte starten.

Zunächst lief auch alles super.

  • Wir machten Station in einem relativ unberührten Waldstück mit 2.000 Jahre alten riesengroßen Kauri-Bäumen.
  • Dann ging es zum Sandboarden auf der größten Sanddüne, die ich bisher gesehen habe. Zum Glück war der Sand unter der obersten, bereits getrockneten Schicht, vom Regen noch nass und fest, sodass man sehr gut nach oben laufen konnte.
  • Am frühen Nachmittag erreichten wir Cape Reinga. Für mich eindeutig das absolute Highlight. Unfassbar windig, aber extrem schön gelegen. Der letzte Leuchtturm vor dem Pazifik… Hier nur ein Handy-Bild, weitere folgen.

Auf dem Rückweg sollte es über den 90 miles beach gehen. Wir kamen dort auch an. Gerade als wir auf den Strand fahren wollten, fing unser Bus erbärmlich zu quietschen und zu rasseln an. Unsere Fahrerin verschwand kurz darunter und kam mit einem gerissenen Keilriemen zurück. Nix mit Fahren auf dem Strand. Un nu?

Etliche Telefonate mit ihrem Chef, ihren Kollegen und einem Bekannten später war klar: Wir sollten zu einer Werkstatt in der Nähe fahren und den Bus reparieren lassen.

2 Stunden später als geplant konnten wir uns wieder auf den Weg machen. Mit 90 km/h über den Sandstrand hin zur letzten Station des Tages: Da eine Ausstellung über die im Moor zu findenden, jahrtausende alten Kauri Bäume bereits geschlossen hatte (wir hatten 2 Stunden Verspätung, Ihr erinnert Euch?) blieb noch das berühmte Fish&Chips Restaurant, das die Fische sozusagen direkt aus dem Meer auf den Herd legt. Die Fahrerin hatte den Tag über mehrfach versucht, in diesem Restaurant für uns zu reservieren. Und auch die Kollegen waren erfolglos. Mir hatte schon allmählich gedämmert was sich später herausstellte: Geschlossen wegen Feiertag.

Stattdessen gab es lediglich Pizza während der Fahrt. 11 Pizzen für 19 Leute. Naja, ich wollte sowieso ein bisschen abnehmen.

Einerseits war es ein wirklich schöner Tag, das Wetter hat gepasst und Cape Reinga ist einfach toll. Aber den Stress hätte ich tatsächlich nicht gebraucht. Morgen geht es zum Glück einfach nur nach Auckland zurück. Ich werde unterwegs noch einen Badeort in der Nähe besuchen, dort gibt es einen schönen schwarzen Strand. Und ich habe vor – sollte das Wetter halten – abends bei Sonnenuntergang Fotos vom Sky Tower herunter auf die Stadt zu schießen. Mal sehen, ob das was wird.

Liebe Grüße,
Bloke

2 Gedanken zu „Murphy war Optimist…“

  1. Hallo Martin,
    sehr schöne Berichte und Bilder! Ich hoffe, dass Du bald besseres Wetter hast – für schlechtes Wetter hättest Du auch hier bleiben können ;-)) !
    Liebe Grüße,
    Papa

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