Der Titel lässt vermuten es gehe um das Thema IT, aber wer das annimmt liegt meilenweit daneben. Wer mich kennt der weiß, ich habe ein Auge für ineffiziente Prozesse oder kleinere Fehler. Und damit sind wir schon fast auf der richtigen Fährte. Falls jemand meint, bei einer Hotel-Buchung könnte nix schief gehen dann sage ich: Hold my beer!
Allem Anfang liegt ein Zauber inne? Du kannst mich mal!
Ich bin diese Woche im Rahmen meines aktuellen Projektes in Kopenhagen. Da sich die genauen Reisedaten (Hinreise und insbesondere Rückreise) erst im unmittelbaren Vorfeld endgültig geklärt haben, war ich mit der Reisebuchung relativ spät dran. Nun muss man dazu wissen, dass wir nicht einfach bei booking.com buchen können, dafür gibt es ein Unternehmens-Reiseportal. Und dort gibt es relativ genaue Vorstellungen, was ein entsprechendes Hotel kosten darf. Also habe ich eines der letzten Hotels gebucht, die noch ins Raster fielen und mir nichts weiter dabei gedacht. Bis heute…
Zu fortgeschrittener Stunde im Büro habe ich mich mit der Fahrt zum Hotel beschäftigt. Hier in Dänemark gibt es die Taxi-App „Bolt“ – das funktioniert so ähnlich wie Uber. Dort wollte ich die Ziel-Adresse der Fahrt angeben: Die wurde aber nicht gefunden. Ein Blick auf Google Maps offenbart: Da gibt es einen Eintrag für das Hotel, aber mit einer anderen Adresse… Also hab ich die genommen.
Der Fahrer fragte mich dann unterwegs, ob ich in der „Villa Copenhagen“ wohne. Nachdem ich dies verneinte schaute er leicht irritiert: Das ist die einzige Unterkunft, die es an dieser Adresse gibt… Hmmm. Ich habe ihn noch ein Stück weiter um die Ecke geschickt und bin dann zwischen zwei großen, relativ neuen Gebäuden ausgestiegen. Er schaute immer noch ziemlich ungläubig. Und ich hatte das Gefühl, er stand da noch eine ganze Weile, nur um sicher zu gehen, dass ich wüsste wo ich hin wollte.
Nun, ich stand da auch noch eine Weile. Denn an beiden Gebäuden – links und rechts – stand in großen Lettern „Danske Bank“. Und die sahen auch exakt wie Bürogebäude aus. Bis hin zu der Tatsache, dass um halb sieben tatsächlich niemand mehr da war. Also machte ich mich auf den Weg rund um den Block. Das dauerte eine Weile, aber das Ergebnis war das Gleiche… Nix zu finden.
Also habe ich auf die Buchungsbestätigung geschaut und dort eine Telefonnummer des Hotels gefunden. Der Anruf wurde quittiert mit einem netten: Diese Telefonnummer ist uns gänzlich unbekannt. Haben sie sich vertippt oder sind sie kurzsichtig? Ja, den zweiten Teil der Ansage habe ich aus dramaturgischen Gründen frei ergänzt. Mir wurde jedenfalls langsam im nordisch-kühlen Kopenhagen warm ums Herz und ich habe mir ernsthaft überlegt, ob ich mir für die erste Nacht eine alternative Unterkunft organisieren muss. Selbst die Nachfrage in einem noch geöffneten Cafe ergab: Kenn ich nicht. Nie gehört.
Also hab ich mir auf Google mal die Homepage dieses Geheimhotels gesucht. Erste Nachricht direkt oben auf der Seite: Opening in March 2026. Oha. Nachtigall, ick hör Dir trapsen… Heute ist ja erst der 2. März. Ob die fertig sind?
Interessanterweise war auf der Hotel-Website eine ganz andere Adresse gelistet und nachdem ich dies zwecks Routenfindung an Google Maps verfüttert hatte: Treffer. Das gibt’s tatsächlich. Ist auch nur ein paar hundert Meter um die Ecke. Also bin ich mit meiner Laptoptasche und dem Rollkoffer los gewandert – hab ich erwähnt, dass das Taxi immer noch am Straßenrand gewartet hat? – und einmal die Straße runter am Ende rechts. Aber auch dort war nix zu sehen und an der Stelle, an der Google Maps mich erneut rechts schicken wollte ging es in eine große, mit „Danske Bank“ überschriebene Tiefgarage. Echt jetzt?
Zum Glück ist mir aufgefallen, dass es ganz links am Rand auch in eine Fahrradgarage ging und da bin ich einfach mal rein gewandert. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich so ein komisches, unfertiges Gefühl im Bauch:


Irgendwann stand ich tatsächlich mitten in einer Fahrradgarage und in deren Mitte führte eine Treppe nach oben. Es gab sogar einen Aufzug, der konnte mich aber nicht so recht überzeugen:

Ich hab mich für ein bisschen Step-Aerobic entschieden und bin mit Koffer und Tasche die Treppen hoch. Oben angekommen offenbarte sich folgendes:

Bei meinem ersten Rundgang um die Bank hätte ich nur rechts abbiegen und 50 Meter weiter laufen müssen. Das wäre deutlich einfacher gewesen. War aber halt auch nicht ausgeschildert…
Doch ein bisschen Zauber!
Nachdem ich endlich die Rezeption gefunden hatte konnte ich mir ein „You guys are bloody hard to find!“ nicht verkneifen. Doch die Antwort darauf hat das gerade Erlebte in einem anderen Licht erscheinen lassen: „It is our first day today.“ Dieses ganze Hotel hat genau HEUTE eröffnet. Nicht nur renoviert oder saniert. Oder angebaut. Nein, hier ist ALLES – das gesamte Gebäude – funkel-nagel-neu.
Das bedeutet aber auch: In meinem Zimmer hat noch nie jemand gewont, in dem Bett noch nie jemand geschlafen und in der Dusche noch nie jemand geduscht. Sowas hatte ich ehrlich gesagt noch nie.

Als kleines Schmankerl habe ich ein Zimmer im 14.Stockwerk bekommen. Mit einer schönen Aussicht über den Süden Kopenhagens.

Die kleine Sitzbank aka das Fensterbrett direkt am Fenster ist dementsprechend an die Schwindelfreien unter uns adressiert. Aber der Ausblick belohnt:

Angesichts der spannenden und adrenalinreichen Anreise hatte ich fast vergessen: Ich hatte noch kein Abendessen. Also habe ich auf dem Weg in die Stadt das Rezeptionsteam auf die diversen Unstimmigkeiten zwischen Telefonnummern, Adressen, Maps, Website und Buchungsportal hingewiesen und bin in die Stadt.


Einen Bug gefunden?
Gesättigt und vom Stadtrundgang gelüftet kam ich zufrieden ins Hotel und stellte fest: Abgesehen von der holprigen Anreise und den inkonsistenten Angaben zur Erreichbarkeit hatte ja alles ganz gut funktioniert, zumindest im Sinne einer Neueröffnung . Oder? Daraufhin hörte ich das Hotel flüstern: Hold my beer!
Denn just als ich mich zur Ruhe legen wollte stellte sich die Frage: Wie zum Henker geht diese Lampe aus?

Im Zimmer gibt es diverse Lichtschalter. Für die Küchenzeile, die Decke, das Garderobenlicht, das Bad… Aber es gibt keinen, der diese Lampe ausschalten könnte. Es gibt allerdings sehr wohl einen, der keine Funktion hat. Der einzige von mir entdeckte Weg, dieses Licht aus zu bekommen: Schlüsselkarte aus dem Schlitz am Eingang ziehen. Aber dann ist es schlagartig komplett dunkel und Handy sowie Laptop laden auch nicht mehr. Suboptimal.
Also bin ich mit einem freundlichen „Hi, me again…“ zur Rezeption und einen Besuch in meinem Zimmer und einen Test im Nachbarzimmer später war klar: Mein Schalter schaltet nicht. Da man mich nicht umquartieren und ich mein im Zimmer verteiltes Zeug auch nicht wieder zusammensammeln wollte haben wir das so gelöst:

Mit demontierter Lampe und raus geschraubter Birne halte ich es auch dann den Rest der Woche aus, wenn der für morgen bestellte Elektriker den Schalter nicht kurzfristig hin bekommt…
Und so starte ich müde und amüsiert in eine stressige Arbeitswoche…
Bis dann,
Bloke
