Ich wisst ja schon, dass wir dieses Jahr ganz ohne großes Event nach London geflogen sind und nachdem der Vorurlaubliche Hotel-Pleiten-Stress verdaut war konnte der Trip kommen. Als kleines Extra hier die Auflösung, warum wir bei der Suche des Ersatzhotels weniger flexibel waren als es der mitreisenden Schwägerin lieb war: Wir waren zu fünft unterwegs. Zwei ihrer ehemaligen Kolleginnen hatten sich uns heimlich angeschlossen und deren Hotel lag im gleichen Stadtteil.

Und womit fängt so ein Trip an? Mit der Anreise.
Freitag
Job bedingt können wir diesen mittlerweile klassischen Wochenend-Trip immer erst mit dem 17-Uhr-Flug antreten. Bei der Ankunft in London war es also schon sprichwörtlich „Dunkel wie die Nacht“. Während für den Samstag fast durchgehend Regen vorhergesagt war, gab sich der Himmel am Freitag Abend noch weitestgehend wolkenlos. Hinzu kam, dass wir diesmal nicht im großen Bogen um die Stadt herum nach Heathrow flogen, sondern zum ersten Mal so richtig drüber hinweg: Mit Blick auf das London Eye, das Hydepark Winter Wonderland und einfach die ganze Stadt. Oder um es mit der Textzeile einer meiner leider nicht mehr aktiven Lieblingsbands zu sagen: „Looking at the clouds from the other side of heaven…“ – einfach mal googeln 😉




Notiz an mich selber: Nachts durch das Fenster zu fotografieren ist einfach ätzend… Die ganzen Reflektionen aus der Kabine nerven.
Zunächst galt es, die Ferienwohnung zu beziehen und ich muss sagen, Eva hat bei der Suche ganze Arbeit geleistet. Wir hatten insgesamt über 90 Quadratmeter Platz. Inklusive zwei Schlafzimmern mit JEWEILS privatem Bad, eine Küche, Wohn- und Esszimmer sowie einer Terrasse. Alles relativ ordentlich hergerichtet mit Parkettboden. Natürlich gab es den einen oder anderen Schaden im Putz, ein Stöpsel fehlte im Waschbecken… aber für britische Verhältnisse war das ein Jackpot! Die müssen wir uns für die Zukunft merken.
Am gleichen Abend gab es einen ersten City Walk. Schließlich musste ja für den Folgetag von heftigem Regenwetter ausgegangen werden und da will man einen schönen ersten Abend bestmöglich nutzen.



Zum Absacker ging es noch in die ehemalige Kirche zum Mercato Mayfair. Immer wieder schön und lecker.

Samstag
Der Samstag erwartete uns mit einer Regenwahrscheinlichkeit von jenseits der 80 Prozent und insofern war nicht allzu viel zu erwarten. Immerhin sollte es laut Wetter-App zum frühen Abend hin trocken werden.
Also begannen wir unseren zweiten Tag nach etabliertem Muster: mit einem Frühstück bei Pret-a-Manger mit heißer Schoki und Porridge mit Quetsch-Honig. Allerdings – erste Neuerung – nicht wie üblich an der Gloucester Road Station, sondern diesmal nördlich des Hydeparks. Das war für die mitreisenden Kolleginnen besser zu erreichen und im Nachhinein hat sich auch heraus gestellt: Diese Niederlassung war deutlich größer und aufgeräumter als die in unserem „Hood“.

Nach dem Frühstück trennten sich unsere Wege fürs Erste. Katharina wollte ein Außenlager des Victoria&Albert Museums besichtigen und Eva wollte mit mir die Stadt durchstreifen. Dabei haben wir diesmal bewährte Rituale mit neuen Impulsen kombiniert.
Bewährtes:
Nach einem Abstecher zu Notting Hill und den Portobello Markets ging es zum V&A Museum. Im dortigen Cafe wird gerne mal ein Scone mit Clotted Cream und Marmelade verdrückt. Da das Frühstück noch nicht so richtig lange her war, haben wir uns den geteilt.


Neues:
Dieses Jahr wollte ich eine optisch unscheinbare Installation besuchen, deren Geschichte und Hintergrund ich aber dennoch sehr spannend fand. Denn es begab sich 1870, als in London mit großem Durchhaltevermögen Kanalisationen gebaut wurden, dass sich in gleichem Maße die Angst vor den dort entstehenden Bio-Gasen mehrte. Man traute diesen im Falle der unkontrollierten Entzündung verheerende Zerstörungskraft zu und so stellte sich die Frage: Was nun? Was tun?
Und da wurde die Idee geboren, ebendiese Gase stattdessen kontrolliert zu verbrennen und bei dieser Gelegenheit Licht zu erzeugen. Die Kanal-Lampen waren erfunden. Und von jenen steht hier noch eine letzte in einer unscheinbaren Seitengasse hinter dem Savoy Hotel.


Für den Abend war ein Besuch der Schlittschuhbahn im Somerset Huse geplant, bevorzugt mit der Gelegenheit zum Abendessen. Da dies ganz in der Nähe war sind Eva und ich schon mal dort vorbei gegangen und haben die Lage ausgekundschaftet. Neben der sicher stimmungsvollen Eisbahn war aber auf kulinarischer Seite wenig geboten. Also sind wir weiter auf den Queens Walk am Südufer, wo es angeblich mehrere weihnachtsmarktähnliche Budenversammlungen geben sollte. Und dem war tatsächlich so. Also haben wir den unverbindlichen Plan fürs Abendessen leicht überarbeitet.
Um 15 Uhr hatten wir eine Reservierung zum High-Tea im British Museum, doch vor den Tea hat der Herr das Lunch gesetzt. Katharina meldete sich passend mit dem Hinweis, in der Krypta essen zu wollen. Auch die war eine Neuerung im Repertoire.


Von da aus ging es weiter ins British Museum aber nicht ohne einen Abstecher durch China-Town und SoHo. Hier gibt es jede Menge Bars, Restaurants und Cafes. Ich laufe immer wieder gerne hier durch. Und jedes Mal, wenn ich hier Leute vor den Läden herum lungern sehe, denke ich an die Erkenntnis von HIER.

Doch dann mussten wir uns ran halten. Das British Museum ist zwar kostenlos, aber man muss dennoch eine (kostenlose) Karte mit der dazugehörigen Eintrittszeit buchen. Die vorab per eMail verschickte Erinnerung war in der Wortwahl ziemlich eindeutig.
Komme ja nicht zu spät, sonst kann es sein, dass Du Deinen Slot verpasst hast und wir Dich nur mit Verzögerung rein lassen können. Komme aber auch nicht zu früh, weil da darfst Du auch noch nicht rein.
Alter Falter! Wir waren aber augenscheinlich innerhalb der eng bemessenen Toleranzen. Ich hatte ganz vergessen, dass ich da vor einigen Jahren schon einmal war, aber die atemberaubende Architektur habe ich sofort wieder erkannt.




Der High-Tea war extrem lecker. Allerdings besteht er überwiegend aus süßen Bestandteilen (Scones, Macarons, Mini-Muffins) und – in meinem Fall – einer heißen Schokolage. An diesem Tag hatte ich wirklich Zucker-Overload.

Nach einer kurzen Verschnaufpause im Appartement ging es gegen 18:30 Uhr auf eine letzte Runde durch die nächtliche Stadt mit einem Kurzbesuch im Somerset House, Essen auf der South-Side und einem Blick auf die leuchtende Skyline. Immer wieder wunderschön, wenngleich an diesem Tag arschkalt.


Von etwas weiter im Osten, Richtung OXO-Tower, hat man insbesondere bei schon geschlossenen Weihnachts-Buden einen schönen und ruhigen Blick auf die beleuchteten Hochhäuser rund um den „Walkie-Talkie-Tower“.


Sonntag
Am Sonntag gab es eigentlich gar nicht mehr viel zu tun. Ein Rückflug um 10:30 Uhr erfordert – in Verbindung mit der 45-Minütigen Anreise per U-Bahn, ausreichend Sicherheitspuffer und dem sowieso notwendigen rechtzeitigen Eintreffen am Flughafen – ein Verlassen der Wohnung um spätestens 7 Uhr früh. Da wir aber am Sonntag Früh um kurz vor sieben Uhr quasi die ersten in der U-Bahn waren, haben wir etwas sehr seltenes erlebt:

Und weil wir nicht NOCH früher hätten los ziehen wollen, nur um auch noch etwas zu frühstücken, wurde das Frühstück – wie in den letzten Jahren auch – kurzerhand an den Flughafen in den Abflugbereich verlegt. Wohin? Natürlich hier hin:

Und so ging ein weiterer, schöner Kurztrip auf die Insel zuende. Diesmal ohne Konzert am Samstag, dafür mit ganz viel Weihnachtsstimmung und neuen Eindrücken. Und es bleibt die Erkenntnis: London ist IMMER eine Reise wert. In diesem Sinne, alles Gute und viele Grüße,
Bloke.