In Amsterdam fängt`s Jahr gut an

Amsterdam ist mittlerweile eine feste Größe in unserem Jahres-Urlaubs-Kalender, wie ihr sicher wisst. So auch dieses Jahr. Jetzt sogar zum zweiten Mal. Denn als wir im Frühjahr hier waren haben wir festgestellt, dass es in der wirklich schicken Roof-Top-Bar zu Silvester eine schöne Party geben soll. Und da haben wir uns gedacht: Warum nicht mal zu Silvester verreisen…

Mit unserer direkt im Mai vor Ort eingetragenen Reservierung waren wir allerdings, zumindest befürchtete ich das, außerhalb des normalen Prozesses. Denn zu dem Zeitpunkt wusste man noch nicht genau, ob und in welchem Umfang es wieder zu einer Party kommen würde. In einem zwischenzeitlich geführten Telefonat habe ich erfahren, dass es eine Party geben wird, und das man dafür Karten kaufen muss. Allerdings hatten wir noch keine Informationen darüber, wie und wo wir diese kaufen können…

Das änderte sich erst Anfang November nach einem zweiten Telefonat. Wir bekamen die Information, dass wir uns entscheiden sollten, um wieviel Uhr wir zur Party kommen wollten und danach gab es die Option, drei Tickets zu kaufen. Das waren die teuersten drei Silvester-Tickets, die ich je gekauft habe. Die Erwartungshaltung war entsprechend…

Wir haben uns im Vorfeld entschieden, NICHT in dem Hotel zu übernachten, in dem die Party steigen würde, einfach weil das zu teuer ist. Stattdessen haben wir auf der Straßenseite gegenüber gebucht. Da waren wir früher auch schon mal und man bekommt dort ordentliche Zimmer zum fairen Preis. Mehr brauchen wir nicht. Außerdem sollte die Entfernung selbst mit angeschwipstem Schwester-Paar halbwegs zu managen sein 😉

Wir haben beschlossen „schon“ am 30.12. nach Amsterdam zu fahren, einfach um im Vorfeld der Feier noch ein paar Klassiker mit zu nehmen. Frühstück im Bakkers Winkel sowie shoppen im UniQlo, Concerto und Dille&Camille zum Beispiel. Und dieses Mal ging es seit längerer Zeit mal wieder rüber auf das Gelände der ehemaligen NDSM-Werft, wo einige stylishe Restaurants auf den Besuch warten. Für uns sollte es diesmal das Ijver werden. Aber erst mal der Reihe nach!

Ausfahrt 25

Auf der Hinfahrt haben wir – es wird langsam zur Tradition – zum Zweiten Mal eine Kaffee/Schoki-Pause eingelegt. Hierfür bietet sich die Ausfahrt 25 an, wo ein Mc Cafe etwas abseits der Autobahn passable Heißgetränke bietet.

Der Stärkung versprechende Hinweis 😉
Meine Droge der Wahl.

Entfernungstechnisch liegt das etwa auf der Hälfte der Strecke und diesmal kam es in doppelter Hinsicht zum richtigen Zeitpunkt: Das Wetter war zwar überwiegend blau-himmelig, aus der kalten Nacht und dem vom Straßendienst verteilten Streusalz hat sich aber ein nass-klebriger Film auf der Fahrbahn gebildet, der uns bis zur Kaffeepause immer wieder die Scheibe zugeschmoddert hat. Und just ein paar Kilometer VOR Ausfahrt 25 meldete sich mein Waschwasser-Behäter: Wasserstand niedrig. Zum Glück bietet Ausfahrt 25 neben besagtem Mc Cafe noch einen Aldi, einen DM und zwei Tankstellen, sodass zunächst 5l Frostschutz besorgt und dann mit Waschwasser von der Tanke ergänzt und nachgefüllt wurden. Und nach der Kaffee-Pause war die Fahrbahn dann eh trocken…

Getrennte Wege

Mit Kaffeepause und Waschwasserauffüllung kamen wir kurz nach 13 Uhr in Amsterdam an. Für mich genau richtig, um mich noch kurz in eine projektbedingte Telefonkonferenz ein zu wählen. Die Mädels haben die Gelegenheit beim Schopf gegriffen und sind schon mal voraus geeilt um diverse Geschäfte zu erkunden. Meinereiner – zu diesem Zeitpunk eh auf mich alleine gestellt – ist nach erfolgreichem „Call“ direkt in den besten mir bekannten Plattenladen gegangen, das Concerto. Zunächst war ich enttäuscht, da ich im Lieblingsregal mit der Aufschrift „Audiophile Pressungen“ diesmal nicht fündig wurde und befürchtete, meinen zum Geburtstag im Sommer erhaltenen Gutschein nicht in Vinyl umwandeln zu können. Doch die Sorge war unbegründet und dauerte nur kurz. Zwei Gänge weiter gab es ein paar Platten der Band Yello, derer zwei sich in meine Tüte verirrt haben:

  • One Second
  • Stella

Die Waschmaschine wartet schon auf Beschäftigung 😉

Happa Happa

Am Anfang der 2020er Jahre haben wir häufiger in einem Hotel auf dem Areal der ehemaligen NDSM Werft übernachtet. Dort gibt es, ich habe es oben schon erwähnt, auch einige wirklich kultige Restaurants, die – in ehemaligen Hallen ebendieser Werft untergebracht – mit dem Charme aus Industrial Style, Shabby Chic und Gemütlichkeit spielen. Eines davon ist das Ijver, in dem wir dieses Mal seit Langem wieder gegessen haben.

Das Ijver auf dem Gelände der ehemaligen NDSM Werft.
Auch wenn die Halle wirklich groß war, das Ijver verströmt auch Gemütlichkeit, zumal in der Weihnachtszeit.

Lampen an in Amsterdam

Auf dem Rückweg zum Hotel haben wir die Möglichkeit genutzt, einen Blick auf die Installationen des hiesigen Lichterfestes zu werfen.

Wir waren in der Vergangenheit ja schon mehrfach auf dem Lichterfest in Amsterdam und waren jedes Mal zunehmend enttäuscht angesichts der Tatsache, dass die Installationen jährlich weniger beeindruckend und das Festival an sich zunehmend kommerzialisiert wurden. Dieser Eindruck bestätigte sich diesmal erneut, da viele Installationen darauf ausgelegt waren, dass man sie am Besten vom Schiff aus bewundern kann – natürlich nach Buchung einer entsprechenden Rundfahrt.

Wir sind daher nur einen Teil der Route abgelaufen und die zwei beeindruckendsten Ausstellungsstücke dieses Abschnitts seht ihr hier.

Die Palmen wehseln die Farben. Nett anzuschauen.
Gänse oder Schwäne?

Danach hat uns die Kälte in die U-Bahn und zurück ins Hotel getrieben. Wer „Lichterfest“ ernst meint, dem empfehle ich das entsprechende Festival in Eindhoven.

Silvester in der Stadt

Den 31.12. haben wir mit einem Frühstück in unserer Lieblingsbäckerei begonnen. Den begehrten Maracuja-Curd haben wir aber diesmal nicht mit genommen, schließlich planen wir im Frühjahr den nächsten Trip und dann werden auch die Bestände wieder aufgefüllt.

Das Frühstücksbild in der Teekanne. Auf das Brot und das Müsli warten wir da noch.

Im Anschluss sind wir durch die üblichen Läden geschlendert und haben uns im Shopping-Viertel der 9 Straßen umgesehen (9 Straatjes), wo es auch ein/zwei Plattenläden gibt. Diese haben zwar nicht den Charme und die Auswahl des Concerto aber wer würde ihnen nicht wenigstens eine Chance geben wollen?

Spaß auf der Rolltreppe.
Die Läden hier haben immer wieder mal einen flotten Spruch auf den Schildern! Was die hier wohl verkaufen?
In einem der „Plattenbauten“

Irgendwann am fortgeschrittenen Nachmittag haben wir beschlossen, ein bisher von uns vernachlässigtes Stadtviertel zu erkunden, „De Pijp„. Allerdings fing es an, ein bisschen zu regnen und wir mussten uns ja auch irgendwann auf die Silvester-Party vorbereiten. So haben wir uns für den Anfang auf ein unaufgeregtes aber leckeres und überraschend preiswertes Lokal zum Mittagessen und ein Café fokussiert:

Ganz offensichtlich, hier war mal ein Theater oder ein Kino drin. Heute ein interessantes Café.

Um die angefutterten Kalorien wieder ein bisschen ab zu trainieren, haben wir die verbleibenden 2 Kilometer zum Hotel zu Fuß zurück gelegt. Und schon war es Zeit, mit den Vorbereitungen zum Silvester-Abend zu beginnen.

Silvester im Hotel

Zum Glück fand die Party im Hotel gegenüber statt, sodass wir bequem durch eine Unterführung in Richtung Messegelände gehen konnten. Unsere im Voraus gebuchte Ankunftszeit von 20 Uhr haben wir perfekt getroffen.

Als uns das Personal zu unserem Tisch geführt hat war ich zunächst ein bisschen enttäuscht, denn wir mussten durch das ganze Restaurant, vorbei an der Bar bis fast „nach hinten durch“ und saßen in der Nähe der Kasse. Auf den zweiten Blick war das aber gar nicht so schlecht, denn im Hauptteil des Restaurants waren an den Fenstern nur 2er-Tische. Die Mehrpersonentische standen alle in der zweiten Reihe. UNSER Tisch hier stand aber direkt am Fenster. Perfekt. Und ein erster Blick aus eben diesem Fenster offenbarte uns: Die Holländer sind ungeduldig. Es wurden schon vor 21 Uhr vereinzelte Raketen und Batterien abgeschossen.

Schon deutlich VOR Mitternacht konnten die Holländer die „Füße nicht still halten“ und haben Feuerwerke gezündet

Nachdem wir uns vom Ausblick erholt hatten, fiel der nächste Blick auf das bis dahin unbekannte Menü. Dem ersten Anschein nach ein klassisches 4-Gänge Menü und ich fing schon an mir zu überlegen, welche der Komponenten ich denn wählen sollte.

Als es dann jedoch mit der Amuse Trilogy los ging fiel mir auf: Wir wurden gar nicht gefragt. Es kam einfach alles. Für jeden. Und dieses Muster zog sich durch den ganzen Abend. So kam es, dass wir am Ende ZEHN verschiedene Gerichte, von den Amuse über die Vorspeisen und die Hauptgänge bis zu den Desserts probieren konnten. Das hatte ich in dieser Form ehrlich gesagt noch nicht.

Die drei Vorspeisen fehlen, die haben wir nicht fotografiert… 7 auf einen Streich.

Dabei wurde neben Köstlichkeit auch Wert auf die Präsentation gelegt. Der erste Gang kam in einer mit Rauch/Dampf gefüllten Glocke.

Hier rauchten ausnahmsweise nicht die Köpfe, auch wenn man sich für das Menü offensichtlich einiges hat einfallen lassen.

Von unserem Tisch aus konnten wir direkt die Anrichte der Gerichte sehen und es war auffällig, dass die Köche und das Hilfspersonal wirklich gute Laune hatten.

Zur Sicherstellung des Spaßniveaus der Gäste gab es zu allem auch noch einen gut gefüllten Weinschrank. Für mich als Nicht-Trinker war die Auswahl an Weinen nicht ganz unbeeindruckend…

Alles, in allen Lagen..

So kam es, dass der Abend bis Mitternacht zwischen Gesprächen und leckerem Essen wie im Flug verging. Irgendwann zwischen 23:30 und Mitternacht wurden die Gläser zum Anstoßen ausgeteilt und kurz vor Mitternacht frisch befüllt:

Nur einen wönzigen Schlöck!

Und kaum dass man sich versah, wurde der Countdown herunter gezählt… Mitternacht. Frohes neues Jahr. Ab jetzt gilt es, sich an die „6“ am Ende zu gewöhnen!

Die Amsterdamer haben es krachen lassen. Ich nehme an, man wollte es noch einmal so richtig genießen angesichts des Böller-Verbotes ab Ende 2026. Aber seht selbst:

Um Mitternacht sind scheinbar alle „eskaliert“. Verständlich, denn im kommenden Jahr soll privates Feuerwerk endgültig verboten sein.

Party danach? Leider nicht ganz…

Den ganzen Abend über haben DJs wirklich schöne, chillige und loungige Hintergrundmusik gespielt, in einem Fall sogar mit echten, analogen Schalplatten. Ich hatte mich sehr darauf gefreut, nach Ende des Menüs noch in das neue Jahr zu tanzen. Die Vorzeichen standen sehr gut, allerdings habe ich mit einer Entwicklung nicht gerechnet. Kurz nach Mitternacht haben bereits einige Gäste den geordneten Rückzug angetreten, sodass um ca. 00:30 Uhr schon die Hälfte gegangen war. Bis auf ein/zwei Gäste hat niemand getanzt und bald darauf war die Stimmung eher aufbrüchig.

Wir haben uns noch ein bisschen unterhalten und die Aussicht genossen, bevor wir gegen halb 2 in unser Hotel zurück sind. Auch wenn die erhoffte Party so nicht stattgefunden hat, so war es doch ein sehr schöner Abend in einer ausgefallenen Location. 2026 kann kommen!

Bloke