Schlagwort: Inkompetenz

  • Die Armseligkeit in Person

    Die Armseligkeit in Person

    Ich hatte euch ja hier schon von meinem Abenteuer mit Vodafone erzählt. Und wie ihr euch wahrscheinlich erinnert schloss ich mit einem „…to be continued.“ Nun denn…

    Samstag

    Nachdem ich das Ticket ein weiteres Mal eröffnet hatte, meldete sich noch einmal der Techniker: Er müsse vorbei kommen und messen. Ich hab aufgegeben und gedacht: Soll er halt unsere Zeit verschwenden. Und das hat er fast eineinhalb stunden gemacht. Drin gemessen, draußen gemessen, upstream gemessen, downstream gemessen. Vor dem Verstärker gemessen und nach dem Verstärker gemessen. Sodann hat er sich entschieden, sicherheitshalber mal unseren Hausverstärker aus zu tauschen. Dafür musste er bohren und dafür musste der Serverpark abgeschaltet werden. Die Kisten sollen schließlich keinen Bohrstaub inhalieren.

    Ich gebe zu, ein bisschen Hoffnung keimte auf. Vielleicht hatte unser Verstärker ja doch einen Knax? Wer weiß? Ich habe also zunächst das Vodafone Leihgerät (Vodafone Frizbox) angeschlossen gelassen und alles weiter beobachtet. Und am Wochenende (ein besonders sonniges für Anfang September) waren die Upload-Werte auch weitestgehend OK. Da war aber auch fast niemand zuhause, weil -> Gutes Wetter.

    Montag

    Doch es kam, wie es kommen musste: Am Montag waren alle wieder im Homeoffice oder anderweitig zuhause, die Netzauslastung ging hoch und damit kamen auch die Probleme wieder. Um 14 Uhr (ziemlich genau) habe ich das Ticket wieder geöffnet. Und damit gingen die Lügengeschichten wieder los.

    Um 14 :35 kam der erste Anruf: „Wir haben uns die Leitung nach dem erneuten Öffnen des Tickets jetzt EINE STUNDE lang angeschaut und da ist nix zu sehen, das liegt an Ihrem Netz“. – Ach? Eine Stunde? 30 Minuten nachdem ich das Ticket eröffnet habe? Leckt mich doch.

    „Die Leitung ist wirklich komplett in Ordnung“. „Wenn das so ist, wieso haben meine Upstream Kanäle dann nur eine 16er Modulation?“ „Ach ja, das sehe ich auch gerade. Ich schicke das noch einmal ans Team und melde mich später erneut.“

    An dieser Stelle ein bisschen Hintergrund zum Thema Modulation:

    Grundprinzip der QAM-Modulation

    Bei der Modulation werden digitale Nullen und Einsen (Bits) auf eine Trägerwelle aufgedrückt. Das geschieht über die Quadratur-Amplitudenmodulation (QAM), bei der sich Amplitude (Signalstärke) und Phase (Welle) verändern. [1]

    • Modulationsstufen: Je höher die Zahl vor QAM, desto mehr Bits passen in ein einzelnes Signal-Paket (Symbol).
      • 16-QAM: Transportiert 4 Bits pro Symbol.
      • 64-QAM / 256-QAM: Standard bei älteren Standards wie DOCSIS 3.0 für 6 bzw. 8 Bits pro Symbol.
      • 1024-QAM bis 4096-QAM: Kommt bei neueren Standards wie DOCSIS 3.1 zum Einsatz und packt bis zu 12 Bits in ein Symbol. [1, 2, 3, 4, 5, 6]
    • Das Problem: Höhere Stufen (wie 4096-QAM) bringen extrem hohes Tempo, setzen aber eine sehr saubere Leitung ohne Störungen voraus.
    ParameterOptimaler BereichToleranzbereichKritisch
    Upstream SNR (Rauschabstand)> 30 dB27 bis 29,9 dB< 27 dB (Modulation fällt auf 16 QAM oder 4 QAM/QPSK)

    Es ist so, dass die Modulation und damit die Menge an Informationen, die übertragen wird, herunter gehen, wenn die Signalqualität schlechter wird. Nun ruft diese Truschel also eine halbe Stunde später wieder an und erklärt mir: „Ja, alles in bester Ordnung. Und dass die Modulation schwankt ist normal, das macht sie damit die Verbindung nicht abbricht. Hab ich auch gerade erst vom Kollegen gelernt.“ Ich rede hier aber schon mit dem technischen Business Support? Ein Armutszeugnis sich so was gerade erst vom Kollegen erklären zu lassen.

    Mir ist schon klar, dass das passiert, damit die Verbindung weiter läuft. Aber NOTWENDIG wird es eben erst, wenn die Verbindungsqualität schlecht wird. Ich bin fassungslos, mit welchen ahnungslosen Deppen man es sogar im Business Support zu tun bekommt. Und man ist scheinbar damit überfordert, so einen Anschluss einfach mal 48 Stunden lang beobachten zu lassen.

    Und die nächste Lüge kam gleich hinterher: „Wir müssen ja nicht beobachten, das wird eh alles protokolliert. Wir können uns die Vergangenheitswerte anschauen“. Ach so? Und was sagen die Werte zu 14:30 Uhr, als die Modulation so abartig schlecht war? „Da sehe ich nix. Aber das ist ja gut dass sie schwankt, dann bleibt die Verbindung stabil.“

    Es ist ein Jammer, dass man diese Spinner nicht schneller und einfacher mit finanziellen Sanktionen belegen kann. Das müsste denen richtig weh tun, derartige Inkompetenz zu liefern.

    Da hier mittelfristig nicht mit Glasfaser zu rechnen ist, werde ich also nochmal bei der Telekom nach VDSL aus dem Jahr 2006 fragen. Technikland Deutschland.

    Bloke